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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Gehemmter Geistesblitz

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Ein Witz ist eine kurzer Text, über die man lachen muss, erstmals 1743 als "Belustigungen des Witzes und des Verstandes" angedeutet. 'Verstand' war die alte Bedeutung, schon in althochdeutsch wizzi, eigentlich 'Wissen'.[1]

Eine besondere Art von Witz ist der Treppenwitz.[2]

Die älteste Spur findet sich beim französischen Gelehrten Denis Diderot,[3] der 1773 schreibt, ihm habe ein Verweis die Sprache verschlagen, sodass er "den Kopf verlor und sich erst unten auf der Treppe wiederfand". Das kann heißen, dass er ging und ihm erst unten im Erdgeschoss einfiel, was er hätte erwidern können. Oder bildlich, dass der verlorene Kopf die Treppe runter kullerte und unten liegen blieb, ein steiler Absturz von den geistigen Höhen des Gesprächs.

1858 wird Treppenwitz so verstanden, dass es einem die Sprache verschlägt und die geistreiche Antwort "auf der Zunge liegen" bleibt. Von einer Treppe ist keine Rede.

Entscheidend aber für unser heutiges Verständnis war 1882 William Lewis Hertslets Buch "Der Treppenwitz der Weltgeschichte": "Der Geschichte fällt geradeso wie dem von der Audienz die Treppe herunterkommenden Bittsteller ein pikantes, gerade passendes Wort fast immer erst hinterdrein ein."
Hertslet nennt zum Beispiel "die Weiber von Weinsberg"
[4]
, denen der Kaiser  freien Abzug versprochen hatte mit allem, was sie auf den Schultern tragen konnten. Sie nahmen ihre Männer huckepack. So hatte der Kaiser das nicht gemeint, aber er habe erwidert: "Ein Kaiserwort soll man nicht drehn noch deuteln" - ein Spruch, der erst späteren Erzählern eingefallen ist, also ein "Treppenwitz der Weltgeschichte".

Daher definiert Sigmund Freud 1900 Treppenwitz als "Mangel an Schlagfertigkeit."

 

 

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Datum:

Aktuell: 06.07.2018