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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Prozess Haxthausen 1726

Übersetzung ins heutige Deutsch

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Abschrift

Übersetzung ins heutige Deutsch

gestraffte Übertragung

 

 

[1]       Abschrift

Untertänigster Vorbericht und Anfrage mit Aktenauszügen und Argumenten für und wider das Dorf Georgenhausen betreffend

Argumente und Beschwerden derer von Haxthausen

Obwohl das in dem Gemeinschaftlichen Umstädter Zentbezirk gelegene Dorf Georgenhausen der Reichsfrei unmittelbaren Ritterschaft in Franken Orts Odenwald seit undenklicher Zeit eingegliedert von der Umstädter Zent ausgenommen,

2. die "freundlichen Unterstützungen" nebst andern ritterschaftlichen Überweisungen zur Ritterschaft Kasse entrichtet:

3. die jedesmalig adlige Antragsteller als Mitglieder der unmittelbaren Ritterschaft in diesem Dorf jede Art von Gerichtbarkeit in kirchlichen, politischen, zivilen und Kriminalsachen ausübt, und in Kriminal-Fällen selbst und anderen Mordtaten, Hexerei, Schlägerei, Gotteslästerung und Dieberei-Sachen ermittelt,

da nämlich a. als Caspar Göbels Sohn zu Georgenhausen auf der Kirchweih totgeschlagen, und die Abführung des Ermordeten an die adlige Herrschaft daselbst von seinen Eltern verlangt, solche denselben bewilligt worden.

Ferner b. Die Obersten von Haxthausen eines Groß-Zimmerer Untertanen [2] Sohn, der sich im Jahr 1691 aus Tobsucht den Hals abgeschnitten, nach vorangehender Ermittlung an der äußersten Kirchhof Mauer begraben lassen,

nicht minder c. als einstmals in der Georgenhäuser Mühle Geld gestohlen, und ein sich desfalls verdächtig gemachter Seegräber, der sich in der Mühl aufgehalten von dem Amt Lichtenberg mit bewaffneter Hand aus derselben ergriffen, dagegen aber von Seiten des damaligen adligen Besitzers Kamptz nachdrückliche Darlegung getan, so gleich hochfürstlich-darmstädtischerseits hierauf gnädigst befohlen worden den Gefangenen wieder auf freien Fuß zu stellen.

d. So dann hätte sich ein Georgenhäuser Untertan weder zu Lichtenberg noch Umstadt weder aktiv noch passiv jemals rechtfertigen lassen, vielmehr aber

e. der Oberstleutnant Johann Friederich Christoph von Walbrunn, laut Gerichtsbuch im Jahr 1629 einen Umstädter Zent-Untertanen Peter Friederich aus Zeilhard, wegen verursachter blutrüstiger Schlägerei um 10 fl.

so dann ferner f. im selben Jahr Peter Mai, welcher Agatha, Peter Groß' Tochter einer Zauberei, und dass sie den Wahrsagern und Zeichendeutern nachgelaufen, beschuldigt mit 50 fl.

Nicht weniger g. im Jahr 1625 den 29. Oktober Hans Müller und Nikolaus Hechler weil jener diesen der Zauberei beschuldigt je 10 fl, und den Hechler, der den Müller mit dem [3] Degen angegriffen um 3 fl.

so gleich auch h. im selben Jahr den Becker Valentin von Nieder Ramstadt und Christoph Drocker von Gundernhausen wegen verübter Schlägerei auf der Kirchweih pro 6 lb.Heller strafen … so gar auf kraft obrigkeitlichen Amts und des … am Ort der Befragung zugestandenen hohen und niederen Gebots im Jahr 1625 öffentliches Dokument …besserer Verwaltung der Kirchen … Kindergüter öffentlich anschlagen und veröffentlichen lassen,

über dieses k. zum Zeichen der bloßen Befehlsgewalt einen noch aufrechtstehenden Kriminalstock mit Halseisen in Georgenhausen unangefochten aufrichten lassen.

Obwohl auch 4. die jedesmalige adlige Besitzer in Übereinstimmung mit der angeführten Huldigungsformel sich von denen Untertanen zu Georgenhausen also, dass Sie selbige vor ihre rechtmäßige Herren und Obrigkeit des Orts öffentlich und publik huldigen lassen, "mit allen und jeden oberen und niederen Rechten, Ge- und Verboten, Frondiensten, Wasser und Weiden, auch aller hoher und niederer Staatsgewalt anerkennen und ehren, auch ihnen getreu, hold und dienstfertig sein wollen".

Über dieses und zum 5. beiden kur- und hochfürstlichen hohen Herrschaften von Seiten der Zent zu Georgenhausen, ob sie zum Amt Lichtenberg oder Umstadt gehörig sei, noch jetzt selbst unterschiedlich beurteilt wird, übrigens aber aus dem Folgenden klar und deutlich sei, dass dieses Dorf weder ei- [4] nem noch dem andern Zentbezirk mit Recht eingegliedert werden könne.

Was 6. Lichtenberg anbelangt, keineswegs bewiesen werden könne, dass jemals ein Untertan aus Georgenhausen bei der Lichtenberger Zent erschienen, oder etwas an Beitrag, Schatzung oder Zent-Überweisung dahin beigetragen oder zum Lichtenberger Militärdienst eingezogen, oder sonst ein Hoheitsakt des Landesherrn ausgeübt worden. Vielmehr wäre daraus, dass man fürstlich-hessischerseits nicht allein durch die jüngste Grenzkommission das Dorf Georgenhausen ganz von der Lichtenberger Zent ab- und in den Umstädter Zent-Bezirk absteinen wollen, weil der Rentmeisters zu Lichtenberg anfangs zwar gegen den zu Georgenhausen aufgerichteten Kriminalstock war, bald aber darauf ihn wegen der von Haxthausen vorgebrachter gründlicher Beweisführung nichts dazu sagte, so ist klar zu erkennen, dass man von Seiten des Fürstlichen Amts Lichtenberg die Zentzugehörigkeit in Georgenhausen mit Grund nicht beanspruchen könne.

7. Das Gemeinschaftliche Amt Umstadt betreffend, wäre die Zentzugehörigkeit in Georgenhausen niemals in Anspruch genommen oder dort wahrgenommen, sondern vielmehr dortigen Beamten im Jahr 1703 die Festsetzung eines aus Umstadt nach Georgenhausen mit Ketten und Banden entwichenen Pferdediebs Johannes Kemmerers, [5] ferner einer entwichenen Ehebrecherim Jahr 1712 nicht weniger von Seiten des fürstlich-hessischen Kammerrats Homberg die Abhörung des Dilshofer Hofmanns wegen der von dem fürstlich-löwensteinischen Schultheißen zu Groß Zimmern gegen ihn ausgestoßene Beleidigungen … Ermittlungs… an den Kläger als rechtmäßige … Obrigkeit des Orts, und zwar bekanntermaßen dem üblichen Herkommen gemäß verlangt, und dadurch … selbstverständlich die ritterschaftliche Gerichtsbarkeit zu Georgenhausen deutlich anerkannt worden.

So hätte man jedoch all dessen ungeacht von Seiten Kurpfalz und des hochfürstlichen Hauses Darmstadt das ritterschaftliche reichsunmittelbare Dorf Georgenhausen nach Ausweis der Lage des Dinge, und weil man von Seiten der Grenzkommission nicht begreifen können, dass in dem kurpfälzischen und hessen-darmstädtischen Odenwald angrenzenden Gebieten auch frei adlige Ritter Güter sich befinden können, dem gemeinschaftlichen Amt Umstadt zu unterstellen, folglich dem Kläger in der bisheriger Freiheit und Kaiserlichen unmittelbare Gerichtsbarkeit mit gewaltsamer Hand nicht nur zu stören, sondern ihm sie gar zu entziehen gesucht, mit angehängter alleruntertänigsten Bitte, alles in den ursprünglichen Zustand bringen, folglich ihn am Besitz der Unmittelbarkeit gewissermaßen nachdrücklich festhalten zu lassen.

 

Allgemeine pfälzische und hessische Argumente

Allermaßen aber 1. nicht nur aus dem sub Buchstabe A. beiliegenden kurpfälzischen Lehensbrief vom Jahr 1673 [6] sich ergibt, dass das fürstliche Haus Löwenstein die Herrschaft Habitzheim nebst dazu gehörigen Dorfschaften Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen mit Vogteien, Wald, Wasser, Weiden und Gerichten, bis auf den heutigen Tag noch zu rechtem Fuldischen Lehen erhoben, sondern ferner auch

Zum Zweiten aus der Anlage Buchstabe B. weiteres klar wird, als Graf Wolfgang zu Löwenstein bei Kurpfälzischen Lehenshof die Zustimmung wegen Aufnahme von 13000 fl. auf genannten Lehensort und Dörfer zu Einlösung einiger ihm von Graf Heinrich seinem Bruder durch Tod zugekommene, und Graf Albrecht verpfändet gewesener Güter eingefordert, was gestalten Ihm derselbe von Kurfürst Ludwig hochseligen Andenkens im Jahr 1581 auf 6 Jahre erteilt, und sofort auf wiederholtes Nachsuchen von dem kurfürstlichen Verwalter Pfalzgraf Johann Casimir weiter auf 4. Jahr dergestalt und zwar so verlängert worden, dass die auf Habitzheim, Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen als Kapital aufgenommener 13000 fl. von Montag Lætare 1587 an zu rechnen, binnen 4 Jahren wieder abgetragen werden sollen.

Diese Schuld ist zu der Zeit abgelegt worden, als man die Herrschaft Habitzheim
aus der Abtretung Strahlendorfs im Ersatz gehabt
Vgl. die Akten Löwenstein gegen Hessen usw. S. 515. 813 und stellenweise A. T. IV S. 371. S. 377
.

Vornehmlich und zum Dritten aber der auf erfordern urschriftlich zu beibringen stehender gräflich-löwensteinische Gült-, Kauf- und Pfandbrief unter Buchstabe C. vom Jahr 1580 an mehreren Stellen ausweist, wie und auf welche Weise Graf Wolfgang 6009 fl. Kapital von dem Stadtkämmerer Georg Krapfen [7] zu Worms, zu Einlösung oben genannter, ihm von seinem Bruder heimgefallener Herrschaft im Jahr 1580 aufgenommen, und dafür selbigen 150 fl. an Geld, so dann 150 Malter Korn jährlich auf Martini fälliger … Gülten unter der Bedingung einer immerwährenden Pfandeinlösung verkaufen, auch dagegen die Dörfer Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen, samt deren Nutzung, Zehnten, Gefällen, Herrschaften und Gerechtigkeiten unter … allgemeinen mit angehängten sehr ausdrücklichen … und so gar unter Strafandrohung unterpfändlich verschrieben und eingesetzt.

Viertens ist auch aus einer dem erwähnten Gült-Kauf-Brief angehängten Nachricht so viel ersichtlich, dass erst angeregtes Kapital der 6000 fl. in dem vom Lehenshof bestimmten und vertagten Termin nicht gehörig abgetragen, sondern erst am 27. April im Jahr 1609 weiter nicht als 2000 fl. auf dasselbe nebst der Zinsen bezahlt worden.

So fließen hieraus Fünftens folgende Folgerungen, dass eines Teils, und weil die Grafen von Löwenstein das auf den heutigen Tag von Kurpfalz zu Lehen tragende Dorf Georgenhausen in dem zur Einlösung anberaumten Termin nicht wiederum klar geworden, noch weniger nachdem der Einlösungstermin verflossen war, einen weiteren Übereinkunft wegen der Verpfändung getroffen, sondern vielmehr dieses als Pfand versetzte Dorf, worin man von Seiten Löwenstein weder in Vogteisachen so wenig, als an- [8] dern Rechten bisher den geringsten Anteil gehabt, allem Vermuten nach ganz abhanden und in fremdem Besitz können lassen, man demnach von Seiten des kurpfälzischen Lehenshofs umso mehr befugt sei, diese ohne Übereinkunft, wo nicht ganz veräußerte, doch verpfändete Lehensstück entweder aus dem veruntreuten Kapital zu beanspruchen, oder jedoch wenigstens den Lehnsmann zum Einlösen anzuhalten. Indem Kurpfalz nicht nur in der erteilten Zustimmung zum Verpfänden sich das Lehensrecht ausdrücklich vorbehält, und die Zustimmung auf gewisse Zeit und Maß, nämlich auf 10 Jahre beschränkt. Nun aber ist aus dem Lehnsrecht bekannt, "dass nach dem Verfallen der Zeit die Zustimmung erlischt, wenn sie nicht ausdrücklich oder stillschweigend verlängert wird. "

   siehe. Str… in Exam: J. F. Cap. XIX. n. 12.

Sondern auch der von Haxthausen in seinem beim Kaiserlichen Reichshofrat gegen Kurpfalz und das Fürstliche Haus Darmstadt übergebene Klage sich für die Herrschaft über das ererbte und unmittelbare Gutseigentum des Dorfs Georgenhausen auszugeben, mithin das Kurpfälzische Lehensrecht hiermit öffentlich als Bestätigung zu heranzuziehen sich nicht scheut, hierdurch aber Kurpfalz um dem schweigenden Lehnsmann seine unmittelbare Herrschaft und Nutzen nicht zugleich zu riskieren und mit auf das Spiel zu setzen, gleichsam nötigte, die dem Kurfürstlichen Lehenshof hieraus den Rechten nach erwachsende Fälligkeits- und Beanspruchungsklage gegen den [9] anzustrengen, der dieses Lehen zu Unrecht zurückhält und leugnet. Andernteils aber ist zugleich aus den oben angeführten Argumenten abzunehmen, auf was für einem schlechten Grund die vom Kläger im Dorf Georgenhausen von den Vorfahren als eigentümliches und ererbtes Recht von … undenklichen Jahren angeblich hergebrachte und so … angemaßte Reichsunmittelbarkeit so wohl als die daraus abgeleitete hoch- und niedere Rechtsprechung und andere Rechte sich befinden … Kläger und dessen Ahnen und Vorfahren allem Anschein nach bloße Pfandinhaber von Georgenhausen seien, und dieses Dorf als die Grafen von Löwenstein die darauf genommene Kapitalien nebst denen dazugekommenen Zinsen wegen ungünstiger Zeitumstände abzutragen nicht imstande gewesen, entweder gegen Übertragung und Befreiung der übrigen verpfändeten Löwensteinschen Dorfschaften Spachbrücken und Zeilhard, allein zu ihrer Sicherung der Schuld in ihrem Besitz behalten und bisher zurückbehalten, oder gar obwohl ohne Zustimmung des unmittelbaren Herrn zur Einlösung bekommen haben werden.

Im ersten Fall muss sich aber der Kläger seitens Löwenstein auf ewig ausbedungenen Pfandeinlösung gewärtig und das Dorf ... gegen Rückzahlung von Kapital und Zinsen in jedem Fall wiederherstellen, im Fall der Veräußerung oder Verpfändung, aber wegen des Fehlens der Zustimmung des unmittelbaren Herrn der Kur- [10] pfälzischen Lehens Beanspruchungs- und Fälligkeits-Klage, folglich einem also gefährlichen Zufall wodurch er Dorf und Kapital gegen Aufrechterhaltung eines nichtigen Rückgriffs verlieren könnte, sich bloßgestellt sehen. Und wann auch der Kläger in momentanen Besitz des Dorfs schon gelassen, und weder eine Pfandeinlösung noch Beanspruchung des Lehens zu befürchten hätte, so ist doch nicht zu begreifen, auf welche Art und Weise der Kläger die angemaßte Unmittelbarkeit und Ausnahme von der Umstädter Zent mit gänzlicher und alleiniger Rechtsprechung gegen beide Kur- und Fürstliche Herrschaften durch zu treiben vermöge.

Da Sechstens in Übereinstimmung mit erwähntem Kurpfälzischen Lehens so wohl, als das Löwensteinchen Gült- und Kaufbriefs auch anderer Dokumenten, das Dorf Georgenhausen ein unstrittiges Zubehör der nach Umstadt zentbar und Löwensteinischen Vogteiherrschaft Habitzheim ist, mithin gleich wie das Ganze, also nicht minder auch die mit verbundenen Dörfer Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen der Zent Umstadt unstrittig eingegliedert sein müssen: da "desselben Rechts sei in einem Teil, welchen Rechts es ist im Ganzen."

Sodann Siebtens auch nach dem oft angeführten Kurpfälzischen Lehenbriefs dem Fürstlichen Haus Löwenstein im Dorf Georgenhausen weiter nichts als das Vogtei- [11] recht und das davon abhängige Lehnsrechte gegeben worden, mithin auch auf den Kläger kein weiteres Recht durch Verpfändungen übertragen werden können.

     "Da niemand mehr geben kann, als er hat".

 

Gründe zu zweifeln

Nun möchte zwar zugunsten des Klägers nicht ohne Grund erwidert werden, dass wenn

auch im gegebenen, nicht eingeräumten Fall die Vogtei … zu Georgenhausen schon vom kurpfälzischen Lehen her rührend wären, dieses Lehensverhältnis jedoch der Unmittelbarkeit umso minder etwas wegnehmen könnte, je bekannter aus dem öffentlichen Recht sei, dass man die reichsunmittelbaren Untertänigkeit als Freiheit ansieht, und der Unmittelbarkeit nichts im Weg steht. Denn was die Adligen an Gütern besitzen, erkennt man als Teil oder Ganzes von den Reichsfürsten an: daher kann nämlich keine Untertänigkeit beansprucht werden, weil sie nur in Anbetracht der Lehen Lehnsleute sind, nicht aber Untertanen oder Landsassen, und unmittelbare Herren, und kein Bürgerliches- oder Strafrecht an ihnen ausgeübt werden darf, außer dem was in Lehenssachen an den Lehenshof in Betracht kommt.

Limnæus T. b. c. z. n. z. seqq.
Schweder: J. P. P. Spec: S. 11. c. 18. §. 2. p. 958.

Zumal nicht nur aus folgenden Auszug des Fürstlich-Löwensteinschen Salbuchs vom Jahr 1549 unter Überschrift D. und [12] dessen nachgesetzten Formalien:

Zu dem so hätten Sie auch (nämlich die Grafen von Löwenstein) bei der ganzen Gemeinde zu Georgenhausen die denen von Walbrunn und Oswald von Fechenbach zuständig.

sondern vornehlich aus denen Lichtenberger Amt Akten und denen von dem Rentmeister Uhlot vielfältig und zwar in den Jahren 1626 den 22. Juli; 1627 den 26. November; 1630. 1645 den 11. Juli; 1649; 1652. erstatteten Amtsberichten. Ferner aus dem Fürstlich Hessischen Güter- und Dorf-Buch vom Jahr 1627. wovon ein Auszug unter Buchstabe … beiliegt, nicht minder aus dem weiter angeschlossenen Auszug des Fechenbachischen Lagerbuchs vom Jahr 1562 unter Buchstabe E. so wohl als denen von dem Kläger in der weiteren Ausführung seiner Beschwerde selbst, weitläufig aus- und angeführten Argumenten betr. des Dorfs Georgenhausen und deren jedesmaligen Besitzer und Ihrer daselbst ausgeübten Rechten und Gerechtigkeiten sich tatsächlich so viel ergibt:

a. dass dieses Dorf soweit aus den Akten zu ersehen, schon ums Jahr 1562, folglich lange vor dem in Archiv zu Gießen gefundenen Löwensteinschen Pfandbrief vom Jahr 1580 laut genannten Lagerbuch den Junkern von Fechenbach mit 2/3. und den von Walbrunn mit 1/3. an Gerichtesbußen und Gefällen zugestanden haben, und allem Ansehen nach nicht unmittelbar von Löwenstein, sondern anderswo und aus anderem Namen an diese adligen Familien [13] zugefallen sei,

b.) Dass Junker Johann Reinhard von Fechenbach sich im Jahr 1604 den 13. September die Huldigung zu Georgenhausen darbringen lassen,

c.) dass die jedesmalige Eigentümer dieses Dorf mit Kaufen, Verkaufen, Verpfänden, gleichsam als ihr Eigentum behandelt und gehalten, und der erwähnte Juncker Fechenbach bei einem kurpfälzischen Rat und Bevollmächtigten zu Frankfurt Melchior Erasmus 600 fl., ohne jemands Zustimmung darüber zu einzuholen, auf dieses Dorf als Kapital aufgenommen,

sodann d.) als Fechenbach dieses und andere auf seinem Anteil zu Georgenhausen lastende Schulden nicht abtragen können, seine zwei Drittel an Georg Hartmuth von Walbrunn verkauft, und ihm die Passivposten und unter andern die als erste genannte Forderung des Dr. Erasmus mit überwiesen,

e.) dass Hartmuth von Walbrunn sofort den D. Erasmus auf dieselbigem mit aller hoher und niederer Obrigkeit auch allen botmäßigen Rechten und Gerechtigkeiten, Zins, Gülte, Strafbußen, Gericht und Recht als Pfand versetzte Drittel an Georgenhausen, welche als ganz eigen, frei und nicht aus einem Lehen stammend angegeben worden, mit Einschließung der erkauften Fechenbachischen zwei Dritteln, versichert, und diesem den unter Buchstabe F.) beiliegenden Verpflichtungs- und Pfandbrief vom Jahr 1621. darüber ausgestellt.

f.) dass nachdem Walbrunn und dessen nachgelassener Sohn Konrad, und Witwe, wegen zu großer Schuldenlast die Erbschaft nicht antreten noch die Schuld an Erasmus nicht [14] zahlen wollen, sich dieser Erasmus im Jahr 1627 den 12. Oktober in das zweite Fechenbachische Drittel an Georgenhausen einsetzen, und in diesem Falle wie wohl nur auf die Gerichtbarkeit mittels gegebener Handtreue  an Eidesstadt huldigen lassen.

g. Dass D. Erasmus im Jahr 1627 dem Ratsmitglied Wiegand Haberkorn zu Dieburg den Fechenbachischen Anteil für 1015 fl. 22 ½ alb. überlassen, und sich dieser Haberkorn im Jahr 1628, den 29. Dezember sofort einführen lassen.

h. Dass die Walbrunnische Witwe das Walbrunnische Anteil so wohl als das von dem Haberkorn erhandelte Fechenbachische zu zwei Dritteln an Hans Joachim Kamptz zu Godau für 12800 fl. im Jahr 1649 verkauft, und diesen in das Dorf Georgenhausen einführen lassen.

i. Dass die bisherig genannten Besitzer des Dorfs Georgenhausen daselbst alle Gerichtbarkeit in bürgerlichen, politischen und kirchlichen Sachen ausgeübt, die Pfarrer in Wahrnehmung des Bischofsamts eingesetzt und den Evangelischen Gottesdienst an der Mutterkirche zu Georgenhausen, wohin die beide Höfe Dilshofen nebst dortigem Zent-Ort Zeilhard als Filial eingepfarrt sein sollen, durch fürstlich-hessische Geistliche von Gundernhausen, Roßdorf jetzt aber durch den Kaplan zu Reinheim versehen lassen, nicht weniger den von Seiten des hochfürstlichen Hauses durch das Oberamt Lichtenberg daselbst ausgeübten Handlungen der hohen Gerichtsbarkeit verschiedene Mal heftig widersprochen, ins besondere die Obersten [15] von Walbrunn schon ums Jahr 1627 niemand anders als der Kaiserlichen Reichskammer die höchste Gerichtbarkeit gestatten, von fürstlich-darmstädtischer Regierung kein Gebot annehmen, sondern so gar das einstmals in Georgenhausen auf hochfürstlichen gnädigsten Befehl angeschlagene Kaiserliche Patent die Werbung betreffend im Jahr 16.. zweimal abreißen und durch Notar und Zeugen dagegen Einspruch erheben lassen.

k. dass so gar auch das Dorf Georgenhausen und dessen Einwohner weder den Umstädter noch den Lichtenberger Zent-Orten in der Zent-Rolle eingegliedert und beigeschrieben, noch bei ein- oder dem anderen Zent und Landgericht jemals erschienen, oder zu Zent Wachestehen und anderen Anlagen, noch weniger zu Einquartierung und Wehrdienst und anderen Folgen jemals angehalten worden, sondern davon jedesmal ausgenommen und frei geblieben. Durch welche bisher angeführte so wohl als von dem Kläger selbst abgeleitete Grundlagen die Haxthausische Reichsunmittelbarkeit nicht wenig befestiget, und wenigstens für den Besitz so weit befähigt und bestärkt zu werden scheint, dass damit der Kläger wenigstens einen Auftrag der Besitzstandswahrung ausbringen und beiden Mitherrschaften die Last, das Gegenteil zu beweisen, umso leichter aufbürden lassen wird, je plausibler die Herren des Ritteradels die ritterschaftliche Reichsunmittelbarkeit und Rechte schon seit den Zeiten der Franken und Karolinger abzuleiten, und damit beim Kaiser für die Ritterschaft als dem von den Herrschaftsrechten des Reiches noch fast einig übrig gebliebenen Eigentum sehr beförderten [16] Hof so viel zu bewirken wissen, dass eher für die Freiheit als die Untertänigkeit der Ritterschaftlichen Glieder und zumal in der Gegenwart vor den von Haxthausen umso leichter gesprochen werden dürfe, wenn zumal derselbe ableiten könnte, dass die Herrschaft Habitzheim, wie aus der Anlage unter Buchstabe A. zu ersehen, vormals Erbachisch gewesen, mithin in einem nicht eingeschlossenen Gebiet gelegen sei.

Nachdem jedoch, auf den Fall kurpfälzisch Lehenshof die von Löwenstein ohne Zustimmung des unmittelbaren Herrn, wo nicht in fremde Hände gelangt, doch verpfändet und durch Nachlässigkeit verloren und fremder Hand zugespielte Vogteirechte nebst den davon abhängigen Finanzgefällen, gegen den von Haxthausen, der sie unrechtmäßig durch einen Selbsthilfeakt in Anspruch genommen hat, aufsuchen und heimziehen würde, solchermaßen das Haxthausische Besitztum wenigstens was die Vogteirechte betrifft, worin jedoch hauptsächlich der Kern und die Seele von Georgenhausen besteht, gänzlich beansprucht, demnach Teil des Klägers weiter nichts als die bloße Unmittelbarkeit, und daraus in Anmaßung abgeleitete Gebietsrechte zu Georgenhausen sich beim allerhöchsten Gerichtshof in Eigentumsfragen gerechtfertigt bleiben : So wird denn in dieser Sache höheren Orts reiflich zu überlegen sein, ob nachfolgende Teils seitens des Fürstlichen Amts Lichtenberg teils von dem Gemeinschaftlichen Amt Umstadt aus den Akten angeführte Argumente in soweit hinlänglich und bedeutsam, dass man gegen den von Haxthausen wenigstens im ordnungsgemäßen Eigentum ausreichen, und damit von Seiten Kurpfalz [17] und dem fürstlichen Haus mit vereinten Kräften die Umstädter Zentbarkeit in Georgenhausen behaupten könnte.

 

Lichtenberger Argumente

I. Wird in obigem Auszug des fürstlich-hessischen Dorf- und Güterbuchs vom Jahr 1627 dem fürstlichen Haus Hessen die bloße Hoheit und landesfürstliche Obrigkeit in Geogenhausen zugeschrieben, und beiläufig angemerkt, dass das Dorf der Walbrunnischen Witwe gebornen Mosbach von Lindenfels mit denen Kirchensachen, so dann .... politischen wie bürgerlichen Sachen mit Weigand Haberkorn gu...dig sein.

II. Ergibt sich aus dem obangezogenen Fechenbachischen Lager Buch vom Jahr 1562 unter Buchstabe M

Liegt in der Mappe "Wiederaufnahme des Verfahrens" unter Buchstabe M.

sowohl, als aus einer den Lichtenberger Amts Akten beiliegenden Aufzählung der Gefälle und Gerechtigkeit, die Weigand Haberkorn aus Georgenhausen erhoben, dass Walbrunn und Fechenbach weiter nicht, als jener 1/3 und dieser 2/3 an den Gerichten, Bußen und Gefällen zu Georgenhausen, so in Zinsen, Pacht, Höfen, und Zehnten bestanden, gehabt und beansprucht. Von reichsunmittelbarer Hoheits- und andern jetzt beanspruchten Rechten aber wird darin nichts erwähnt.

III. Haben zufolge eingeschickten untertänigsten Amts Berichts des Amts Kellers Buchner zu Umstadt vom Jahr 1686 damals zwei Mann aus Georgenhausen, Dietrich Buxbaum, der Schultheiß, und Hans Wentz, des dortigen Gerichts, deren jeder 1616 geboren und zu dieser Zeit 70 Jahre alt gewesen, freiwillig und in Gegenwart des Schultheißen zu Spachbrücken und zweier Gerichtsmänner daselbst bekannt und gestanden, dass dem hochfürstlichen Haus Hessen-Darmstadt die Oberbotmäßigkeit in Georgen- [18] hausen gebühre, solches auch über Straf- und Hurerei-Sachen daselbst zu befehlen habe, wie dann vor 80 Jahren einen Mord zu Georgenhausen begangen, von da nach Lichtenberg und sofort auf Darmstadt geführt und daselbst enthauptet worden sei.

IV. Legen noch folgende Vorentscheidungen klar an den Tag, was für auffallende eclatante Zent- und Kriminal-Vorfälle von Seiten des fürstlichen Hauses Hessen in Georgenhausen … Diese finden sich in der Mappe unter Nr…

Wobei der Schultheiß von Spachbrücken ebenfalls sich dahin vernehmen lassen, dass ja die Georgenhäuser selbst sprechen, die Oberbotmäßigkeit in Georgenhausen sei hessisch und gehöre nach Lichtenberg.

V. Zeigen weiterhin folgende Vorgänge, dass auf den Fall den Georgenhäuser Gemeindsleuten oder Auswärtigen von denen adligen Besitzern daselbst keine Gerichtsverfahren vollzogen oder selbige vorweggenommen, oder auch die von Walbrunn und Fechenbach nebst deren Nachfolgern selbst zu belangen gewesen, sofort der Einspruch an den Landgrafen hochfürstliche Durchlaucht und ihre in Gott ruhende Vorfahren in Regiment genommen, mithin vom hochfürstlichen Haus Hessen-Darmstadt das höchste Recht der Anrufung, Berufung und Rechtsprechung und zwar gegen die adlige Besitzer dieses Dorfs selbst, welches doch mit der gerühmten Unmittelbarkeit ganz vereinbare, von undenklichen Zeiten her nicht nur ausgeübt, sondern auch andere territoriale Rechtsakte daselbst ausgeübt worden. Indem 1645 den 11. Juli der Zentmeister Uhlot berichtet,

Diese Vorgänge finden sich in der in der Mappe "Wiederaufnahme des Verfahrens" genauer dargestellt.

 dass schon zur Zeit Karls V. während des Schmalkaldischen Kriegs, und als man die Stadt Frankfurt am Main belagert, man fürstlich-hessischerseits dieses Dorfs [19] Georgenhausen sich angenommen, und Alexander von der Tann als damals gewesener Oberamtmann zu Darmstadt Vorschläge gemacht, wie dieses Dorf landesfürstlich zu schützen, und mit einer Schutzwache zu versehen. Wobei nebenbei angefügt wird, dass die Landstreicher, Zigeuner und herrenlose Gesindel aus diesem Dorf durch den Zent-Büttel zu Lichtenberg geboten, demnach also in Friedens- wie in Kriegszeit vom Fürstlichen Haus geschützt worden sei.

Im selben Jahr und am selben Tag sind nicht allein die Georgenhäuser Juden zum Verhör nach Darmstadt berufen, sondern auch durch den Juden Manasse von Darmstadt zur allgemeinen Juden-Veranlagung beigezogen, und wirklich obschon trotz Einspruchs des von Kamptz besteuert: Wie dann nicht weniger auch die Georgenhäuser in den Kriegsläufen einige Mal zur Einberufung nach Lichtenberg eingezogen und mit stationiert worden.

Im Jahr 1686 hat man durchs Amt Lichtenberg ein Kaiserliches Gebot die Werbung betreffend, in Georgenhausen öffentlich anschlagen, und als es die Haxthausische Witwe abreißen lassen, sind Ihr des wegen 100 Goldgulden zur Strafe angesetzt, das Gebot nochmals angeschlagen, und nachdem die erwähnte Witwe solches nochmals abreißen und durch Notar und Zeugen in Darmstadt dagegen Einspruch erheben lassen, ist der Notar mit den Zeugen in Arrest gesetzt, endlich nach Widerruf des Einspruchs und ausgestelltem Schein entlassen und dieses Gebot das dritte Mal angeschlagen, nicht weniger die von der Fränkischen Oden- [20] wald-Ritterschaft dagegen erstmal angemaßten Einspruch mit einem nachdrücklichen Widerspruch zurückgeschickt worden.

Gleich wir nun meines geringen Erachtens großen Bedenken haben, ob mit diesen alleinigen Argumenten deren in den Akten keine weitere zu finden vermag, die territoriale Hoheit mit der bloßen Befehlsgewalt gegen Kurpfalz und den von Haxthausen persönlich wirksam zu behaupten sei, zumal zwar der vorige Beamten zu Lichtenberg häufig hiervon erstatteten älteren Berichte sämtlich dahin gehen, dass die territoriale Gerichtsbarkeit mit der bloßen Befehlsgewalt dem Fürstlichen Haus Hessen im Dorf Georgenhausen zustehe: Wann aber der Keller Uhlot in seinem jüngsten Bericht vom Jahr 1652 von den alten Grundsätzen und Annahmen gar zu weit auf einmal abspringt, und dahin verfällt, dass obwohl die bloße Befehlsgewalt dem Fürstlichen Haus in Georgenhausen zustehen möchte, dennoch jetzt das landesherrliche Recht nicht wohl von Natur aus um des willen behauptet werden könne, weil dieses Dorf mit Umstädter Zent also umschlossen, dass nicht ohne Berührung derselben darin zu kommen, sodann erwähnter Uhlot selbst mehr als zu oft in beigefügten untertänigsten Berichten angeführt, dass dieses Dorf weder dem Landgrafen huldige, noch zur Zent Ober-Ramstadt jemals berufen, viel weniger einige Herrschaftliche Steuern dahin gehoben, sondern aus dem einzigen Grund, weil dieses Dorf innerhalb der Grenzen von Lichtenberg gelegen ein und andere Akte der Rechtssprechung daselbst geübt wor- [21] den, woraus aber von der teilweisen Landeshoheit wie von der gesamten sich so wenig begründen, als wenig sich mit Grund hinzufügen lässt, Lichtenberg grenzt in seinem Gebiet mit dem gemeinschaftlichen Ort Zeilhard und Spachbrücken, also gehören diese mit dem Gebiet nach Lichtenberg, zu geschweigen, dass die meisten von den oben aufgezählten Besitzakten Stück für Stück nach dem 30jährigen Krieg ausgeübt worden, mithin gegen Kurpfalz umso minder rechtswirksam zu verbinden stünden, als das Haus Pfalz durch Vergessen und Wiederherstellung in den Stand vom Jahr 1618 gegen alle vorigen Urteile des 30jährigen Kriegs, so dann durch die bei jeder Zusammenkunft dem fürstlichen Haus in Sachen Zent zu Georgenhausen veranlasste Befragung und Widerspruch sich allenfalls auch gegen die Nachkriegsakten genugsam vorgesehen und in Sicherheit gestellt: Zumal auch nicht nur viele vorhin angeführter Akten nicht zu völliger Festigkeit gebracht, viele widersprochen, und verschiedene mit höchstem Misstrauen ausgeübt, besonders das gegen den Haxthausischen Schultheiß Beck im Jahr 1703. wegen Ehebruch veranlasste Verhör nicht weiter verfolgt, sondern, als die von Haxthausen dem Verhörten bei 20 fl. Straff das Erscheinen vor Gericht verboten, dabei totgeschwiegen und die Sache aussitzen gelassen, auch wie aus dem Haxthausischen Beschwerden sich ergeben will, nicht einmal der von dem Haxthausen aufgestellte Criminal Stock wieder abgeschafft worden.

Demnach also mit diesen von Lichtenberg aus angeführten Schlüsse vom Größeren zum Geringeren weder [22] gegen Kurpfalz noch den von Haxthausen auszulangen sein würde.

 

Argumente, teils allgemein, teils von Haxthausen vorgebracht

Also werden jedoch bei nunmehrigen Stand der Dinge, da nämlich zufolge des an mich ergangenen gnädigsten Befehls mit Kurpfalz hierunter im Einvernehmen verhandelt und in einigen Jahren gegen den von Haxthausen gehandelt, folglich alle und jede Aspekte der Sache zusammen gesucht und in einen Vorgang zusammengefasst werden sollen, vor angeführte aus dem Lichtenberger Amts Akten genommene Folgerungen dadurch nicht wenig berührt und so wohl in Sachen Besitz als in Sachen Klage folgendermaßen bekräftigt: In dem Maß, wie aus vorangeführten Akten nicht ohne Begründung abzuleiten, dass denen adligen Besitzern des Dorfs Georgenhausen bisher niemals einige Unmittelbarkeit zu gestanden, sondern diese jederzeit wo nicht beständig von Umstadt aus, doch von Seiten Lichtenberg als Landsassen behandelt und dadurch die beiden Kur- und Fürstlichen Gemeinschafts-Herrschaften in Georgenhausen seit undenklicher Zeit zuständige oberste territoriale und Zent-Gerichtbarkeit ohne Unterbrechung bis heute bewahrt worden, als wird der Kläger so von dieser Gerichtbarkeit sich ganz neuerlich ausnehmen will, sich umso minder enthalten können, diese Ausnahme bzw. Tatsache zu beweisen, und die Beweislast auf sich zu nehmen, als

VI. Die natürliche Lage des Dorfs Georgenhausen, als welches mit Groß Zimmerer, Zeilharder und Spachbrücker Gemarkung ganz umschlossen, jedem unparteiischen so gleich die natürliche Beweisführung dient, dass weil dieses Dorf mit drei Zent Dorfmarkung ganz in dem Umstädter Zent [23] Bezirk eingeschlossen, demnach auch für ein Zubehör von demselben so lange und viel zu halten sei, bis der Kläger durch rechtliche Akten deren noch zur Zeit keine gezeigt worden, dessen Ausnahme gleichsam durch Tatsachen einleuchtend bewiesen, zu mal

Dieses Dorf Georgenhausen ein zur Herrschaft Habitzheim, welche nach Umstadt unstrittig Zentbarkeit gehöriges Zubehör, folglich derselben Beschaffenheit und Rechtes ist.

Über dieses aus der Geschichte bekannt, dass Kurpfalz nicht nur das ganze Amt Umstadt, sondern auch die Herrschaft Habitzheim mit Zubehör um das Jahr 1390 vom Abt zu Fulda gekauft, demnach und weil also dieses Dorf Georgenhausen zu den Fuldischen Landen mithin zu einem geschlossenen Gebiet gehört, will seitens des Klägers der Beweis der Unmittelbarkeit desto schwerer fallen, als in dergleichen Gebiete bekanntlich keine Unmittelbarkeit gegenüber der Pfalz gelassen werden kann, sondern "ein Land, das in einem geschlossenen Gebiet gelegen ist, wird für mittelbar gehalten, weil man anzunehmen ist, dass die Sache immer in demselben Zustand verblieben ist."

Siehe: Kemmerich im öffentl. Recht. L.VIII.§.XII. wo er fortfährt: "Daher ist es vernünftig, dass, wer bei einem geschlossenen Gebiet eine Ausnahme geltend macht, sich der Beweislast unterziehen muss."

Dann gleich wie unter den Franken und den karolingischen Kaisern, als Karl der Große die große Herzogtümer in kleine Grafschaften zerteilte, anfangs alle Gebiete unmittelbar gewesen, nachmals aber und nach der Karolingerzeit als damalige geistlichen und weltlichen Stände des Reichs, die sonst nur als Verwaltungstitel besessene Landschaften ganz erblich gemacht, hierdurch meistens alle Gebiete mittelbar und untertan worden, auch in solchem Stand verblieben, bis endlich [23] durch Untergang der Fränkische und Schwäbischen Herzöge, diese zwei große Herzogtümer sehr zertrümmert, und dadurch manchem mittelbaren Adligen Gelegenheit gegeben worden, sich unmittelbar zu machen, woraus demnach folgender Schluss sich ergibet, dass so lang eine Mittelbarkeit und Landsassenschaft angenommen werde, bis die Ausnahme und Freiheit bewiesen worden.

Siehe: Helffrich: in der Dissertation "Über die künstliche Unterscheidung des Adels zwischen mittelbaren und unmittelbaren deutschen Ländern und die falsche auf die ersteren angewendeten ursprüngliche Unmittelbarkeit der Adligen" S.R.B.

Zum Ganzen auch: Joh. Helv. Sinold genannt von Schütz betr. Öffentliches Recht Buch: 1. Abschn.: 11. Abs.. 3. S..305. wo dargelegt wird, "Es gibt keinen Grund zu leugnen, dass als einst die Herzöge, Grafen, Bischöfe, Erzbischöfe mit ihren Gebieten ausgestattet wurden, wie die gesamten Ländereien mitsamt Rechten auch die Hoheit jederlei Gerichtbarkeit an sie übergegangen seien, also auch die Adligen, die in diesen Gebieten Macht haben, Untertanen der Gerichtbarkeit des Fürsten blieben, und daran festgehalten werden müsse, wenn sie sich mit ihrer Freiheit brüsteten, die Ausnahme beweisen müssten.

da besonders

aus abschriftlich anliegendem Notariats Urkunde einleuchtend erhellt, als Friedrich Gottfried von Wallersdorf von wegen seiner Mutter Anna Magdalena einer geborenen von Walbrunn an Mitgift Gelder 3000 fl. Kapital mit Zinsen, so dann Anna von Mauchenheim genannt Bechtolsheim einer gebohrenen von Walbrunn, eben so viel an dergleichen Gelder und Zinsen an den letzten Besitzer des Dorfs Georgenhausen [25] zu fordern gehabt, und dieser dafür beiden Anspruchstellern das Dorf Georgenhausen nach dem Pfandrecht zum Besitz eingeräumt, was gestalten erwähnte beide Gläubiger ihr Pfand- und erworbene bloße natürliche Besitzrecht an Johann Joachim Kamptz zu Godau für 12800 fl. durch rechtskräftige Einsetzung ins Dorf Georgenhausen dergestalt und also überlassen, dass der von Wallersdorf damals zur Zeit der Einsetzung erst für sich Besitz im Dorf Georgenhausen, welche er zuvor nicht gehabt, ergriffen, so fort aber so wohl in seinem Namen als kraft vorhandener Vollmacht seiner oben genannten Base beiderseits auf das Dorf Georgenhausen gehabter Forderung und diesfalls erlangter Besitz im Dorf samt allen desen Zubehör, an Häusern, Höfen, Gütern, Frohnden, Hoheiten, Rechten und Gerechtigkeiten, wie dieselbe von Walbrunn dieses Orts hergebracht, nichts davon ausgesondert, aufzugeben, und den Kamptz darin erblich eingesetzt, die Gemeindsleute der Pflichten, womit sie der Verwitweten von Walbrunn zu getan gewesen, entbunden, und solche dagegen an erwähnten Kamptz den Treueid auf die Hand leisten lassen.

Dann wir ferner laut beigefügten Notariatsurkunden der von Kamptz den damaligen Notar für den Vorgang bzw. der Überlassung, Übergabe und Einsetzung nur dahin um Rechtshilfe gebeten, dass weil Wallersdorf und die von Wangenheim ihre auf Georgenhausen und Hartmut von Walbrunn gehabten so wohl Mitgift mütterlicherseits und andere verbriefte Forderung ihm überlassen und jener [26] die in dem Dorf dieser Forderung halber allererst ergriffen - diese dagegen die bereits innegehabte Besitz des Dorfs samt allem Zubehör an Häusern, Gütern, Gülten, Zinsen, Fronden, Rechten und Gerechtigkeiten, wie solche der von Walbrunn daselbst überkommen, pro 12800 fl 20. alb 4 d. überlassen, er, der Notar, demnach die erwähnten Besitzer entbinden und in das Dorf Georgenhausen mit Zubehör ihn einsetzen solle. So folgt hieraus, dass nicht allein der Joachim Kamptz zu Godau Erwerbsabsicht nicht auf Hoheiten, Reichs Unmittelbarkeit und andere Herrlichkeiten, sondern auf die bloßen Vogteirechte wie sie Hartmut von Walbrunn daselbst hergebracht, abgezielt, sondern auch dieser Kamptz und dessen Nachfolger der von Haxthausen nicht mehr Recht in Georgenhausen als der von Wallersdorf und die von Wangenheim daselbst wegen ihrer Forderung gehabt, beanspruchen können, mithin lediglich ein Pfandgläubiger, welchem zur Sicherung der Schuld, das Dorf zum Pfand eingeräumt worden, sein, folglich sich den Rechten nach gefallen lassen musste, dass die adlige Familie von Walbrunn das Dorf Georgenhausen, mit Ablegung des darauf stehenden Kapitals und Interesse wieder Aus- und an sich löse, nicht weniger dass alldiejenige Vorgänge und Rechte, welche die von Walbrunn ehemals in Georgenhausen nicht gehabt noch ausgeübt , hingegen von erwähntem Kamptz und Haxthausen, neuerlich und über das überlassene Recht hinaus ausgeübt [27] worden, weder Recht noch Besitz für die vorgebrachten bloßen Behauptungen zu halten, folglich auch aus dieser Beweisführung dem Kläger um so wieder eine Unmittelbarkeit zu Georgenhausen eingeräumt werden könne, je weniger Hartmut von Walbrunn, als von welchem doch der Kamptz all sein Recht herführt, jemals eine dergleichen Unmittelbarkeit eingestanden, sondern vielmehr derselbe ob abgeleitetermaßen wie ein Landsasse behandelt worden.

Nun habe zwar Unterzeichneter gnädigsten Befehl erhalten in dieser Sache mit kurpfälzisch anderseitigem Beamten durchaus in Übereinstimmung zu handeln, und die Einzelheiten zur Beantwortung der Haxthausischen Beschwerden gemeinschaftlich zu bearbeiten, welchem gnädigsten Befehl auch in so weit untertänigst nachgekommen, dass anderseitigem Beamten hiervon zur Protokoll Eröffnung getan und dahin angetragen, dass man auf einen besonderen Tag zusammentreten, beiderseitige Amts-Akten genau durchleuchten, und den Löwensteinischen Amts-Keller zu Habitzheim, als welcher die wichtigsten Akten von der Sache haben würde, mit dazu einladen möchte, womit sich anderseitiger Beamter, ob Er schon noch zur Zeit hierzu keineswegs unterrichtet zu sein, oder in der Sache etwas be- [28] bekommen zu haben vorgibet, vielleicht sich geeinigt, darauf auch der 12. Oktober als Termin der Zusammenkunft zwar anberaumt, doch deshalb nicht vollzogen worden, weil der Löwensteinische Beamte ohne Befehl sich nicht einlassen, auch der Hofkammerrat Dickhaut in privaten Angelegenheiten nach Mainz, wovon er noch nicht zurück ist, verreisen müssen.

Allermaßen nun daraus, dass Kurpfalz mit Hochlöblich diesseitiger Regierung zwar in dieser Sach Kontakt aufgenommen, doch Ihrem Beamten noch zur Zeit hierunter nichts zugeschickt, zu besorgen, dass die Pfälzer unter dem Anschein einer vorgetäuschten vertrauten Verständigung unsre Stärken und Schwächen in der Sache gern aufdecken, und so fort, sobald es geschehen, nach erkannter Blöße von uns, wie beim Löwensteinischen Prozess geschehen, abspringen möchten. So habe demnach in dieser sehr heiklen Sache, worin der von Haxthausen besonders viele Parteigänger am kurpfälzischen Hofe hat, zu Euer hochfürstlichen Durchlaucht ferner weiten höchsterleuchten Überlegung untertänigst wiewohl ohne geringste Maßgabe hiermit anheim stellen sollen: Ob nicht bevor man Kurpfalz diesseitige Grund- [29] lagen mitteilen möchte.

1. Vor allem mit den Pfälzern den Beistand im Rechtsstreit durch eine verbindliche Abrede dermaßen festzustellen, damit selbige bei günstiger Lage des Prozesses nicht so leicht wieder abspringen können.

2. Ob nicht in denen Walbrunnischen Akten besonders in ihrem Lagerbuch die uralte Beschaffenheit und Eigenschaft diese Dorfs, besonders diese beide Hauptpunkte, nämlich die von Walbrunn und Fechenbach, wann und von wem dieses Dorf an sie gekommen, so dann ob sie nicht allenfalls noch durch Ableitung unter Punkt 10 zu Auslösung dieses Dorfs fähig, und allenfalls mit Ihren erfolgreich gemeinsame Sache gemacht, und diesseitige Rechte gesondert gegen den von Haxthausen verfochten werden können.

3. Weil durch einen sicheren Kanal auf die Spur gekommen, dass des von Haxthausen Vorgänger der von Kamptz der erste gewesen, der ums Jahr 1650 sich der fränkischen Ritterschaft Orts Odenwalds heimlich eingegliedert und unmittelbar gemacht, auch aber an Stelle eine Abgeltung da- [30] für zum Ritter Rat gewählt worden.

So könnte die nicht stichhaltige Begründung der angeblichen Unmittelbarkeit dadurch am besten ans Licht gestellt werden, wann durch ein Mitglied vorbesagter unmittelbaren Ritterschaft, oder von dem Ritter Hauptmann von Gemmingen, der sich einmal gegenüber dem Kanzler von Schröder geäußert hatte, dass die Haxthausische Sach mit Lumpen gefüttert sei, aus der Ferne könnte erforscht und Ausfindig gemacht werden, ob und wann dieses Dorf Georgenhausen nebst dem Hof Dilshofen zuerst bei der Ritterschaft eingeschrieben, und davon die ersten Hilfsmittel vorgestellt werden.

4. Könnte der Archivrat Wagner in Gießen, der in beiliegenden untertänigsten Bericht Meldung tut, dass Landgraf Ludwig hochseligen Gedächtnisses, den Löwensteinischen Pfandbrief vom Jahr 1580 im Jahr 1624 gekauft, eine nähere Erläuterung seines Berichts, wo er diese Nachricht hergenommen, angefordert werden, in wie weit obiger Zweifel, dass nämlich die Walbrunn und Fechenbach diese Dorf Georgenhausen laut Löwensteinischen Salbuch schon im Jahr 1549, folglich vor der Löwensteinischen im Jahr 1580 gesche- [31] henen Verpfändung, mithin aus einem vielleicht anderen Titel besessen, nicht geringe Bedenken in der Sache verursacht.

5. Wäre nötig des Rentmeisters zu Lichtenberg Bericht dahin zu anzufordern, ob der von dem von Haxthausen ehemals in Georgenhausen aufgerichtete Kriminalstock mit dem Halseisen noch in Georgenhausen sich befinde, oder dem gnädigsten Befehl gemäß abgeschafft worden.

6. Dieweil sechstens in der gegen Löwenstein übergebenen und in Druck ausgelassenen Darlegung des Sachstandes sogleich am Anfang mit mehrerem angeführt wird, dass Landgraf Ludwig hochseligen Andenkens von damaligem Reichs-Vizekanzler von Strahlendorf diese vom Kaiser zur Auslösung gegebene beschlagnahmte und in vier Dörfern, nämlich in Habitzheim, Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen bestehende Vogtei Habitzheim für 25000 Reichstaler, die bar bezahlt worden, im Jahr 1623 gekauft, und sogleich wie bekannt noch jetzt viele Tausend Gulden wegen einiger [32] auf diese Vogtei Dörfer verschriebener Schulden abgetragen, und damit deren völligen Besitz erlangt, folglich aus diesem sowohl, als des Archiv-Rat Wagners hiermit fast überein kommenden Bericht allerdings anscheinen will, dass damals auch unter andern Passivposten dem Stadtkämmerer Krapp zu Worms seine auf diese Dörfer gehabte Forderung zu 4000 fl. abgetragen, und dafür die mir zum untertänigsten Bericht abschriftlich zugestellte Gültbriefe aus dem Jahr 1580 eingelöst worden sein werde.

So wäre demnach sowohl in den Rechnungen der Kammerschreiberei vom Jahr 1623 und 24 und folgenden unter der Überschrift "Geldausgaben wegen gekaufter Einkünfte und Ländereien" weiter hiervon nachzuschlagen, als sonst zu allererst auf den Grund und Beschaffenheit der hochfürstlichen Rechte zu Georgenhausen nachzuforschen, und sobald das geschehen, wohl zu überlegen, ob und [33] wie man mit Kur-Pfalz in Absprache, oder gesondert in dieser Sache wegen Georgenhausen handeln, und die Haxthausische Argumente zurückweisen solle. Bis dahin mich mit anderseitigem Beamten in der Sache nicht einzulassen getraue, sondern erst auf diesen untertänigsten Vorbericht den näheren gnädigsten Verhaltungs-Befehl erwarte.

Zu untertänigster Unterwerfung verharrend.  Umstadt den 26ten Octobr. 1726.

 

Euer hochfürstlicher Durchlaucht

untertänigst treu gehorsamst

und verpflichtester Knecht

Wilhelm Ludwig Steck.

   

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Abschrift | Übersetzung ins heutige Deutsch | gestraffte Übertragung

 

 

Datum: 2009

Aktuell: 09.02.2019

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