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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Prozess Haxthausen 1726

gestraffte Übertragung

Email:

Abschrift

Übersetzung ins heutige Deutsch

gestraffte Übertragung

 

Erklärungen

[i] hessisch und pfälzisch

[ii] Art Landkreis

 

 

[iii] Art Abgabe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[iv] einer der Erdarbeiten macht

 

 

 

 

 

 

 

[v] Florin, Gulden

 

 

 

 

 

 

 

[vi] libra, Pfund

 

 

 

 

[vii] Die Untertanen mussten dem neuen Ortsherrn einen Treueid leisten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[viii] die Grenzsteine versetzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[ix] Oberhoheit über das Dorf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[x] Gülte 'Einkommen aus Grundvermögen'

 

 

 

[xi] eine Steuer

[xii] Grundsteuern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xiii] Vollbürger, Gutsbesitzer

 

 

 

[xiv] Güterverzeichnisses

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xv] Albus, Weißpfennig. 1 fl. = 30 alb.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xvi] nach einer späteren Notiz war es nicht Walbrunn, sondern Albertine Charlotte von Haxthausen

 

 

[xvii] Volksversammlung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xviii] Die Umstädter Zent war von alters her pfälzisch, daher hat Hessen eigentlich keinen Anspruch

[xix] Das stand überhaupt nicht zur Debatte.

[xx] Hessen hat also keinen Anspruch, weil die Verhältnisse von 1618 als maßgeblich betrachtet wurden. Tatsächlich war es so, dass die Zent Umstadt in der bayrischen Fehde 1504 von Hessen erobert worden war (Heimatbuch 1,102-104). Die Hoheitsrechte wurden darauf hin bis 1806 abwechselnd von Hessen und der Pfalz oder gemeinschaftlich ausgeübt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xxi] dem Namen nach als Lehen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xxii] Warum belegt Steck nicht seine Behauptung?

 

 

Abschrift

An den Landgrafen von Hessen-Darmstadt

Vorbericht und Anfrage
mit Aktenauszügen und Argumenten dafür und dagegen,
das Dorf Georgenhausen betreffend

Argumente und Klagen Haxthausens

1. Obwohl das in dem Gemeinschaftlichen [i] Umstädter Zentbezirk [ii] gelegene Dorf Georgenhausen seit undenklicher Zeit der reichsunmittelbaren Fränkischen Ritterschaft im Odenwald eingegliedert und von der Umstädter Zent ausgenommen ist, …

2. die Bede [iii] nebst andern ritterschaftlichen Abgaben zur Ritterschaftkasse entrichtet wurden, …

3. die jeweiligen Herren dieses Dorfs als Mitglieder der unmittelbaren Ritterschaft jede Art von Gerichtbarkeit in kirchlichen, politischen, zivilen und Kriminalsachen ausübt, und in Kriminalfällen und anderen Angelegenheiten, Mordtaten, Hexerei, Schlägerei, Gotteslästerung und Diebstahl ermittelt haben …,

(nämlich):

a. Als Caspar Göbels Sohn zu Georgenhausen auf der Kirchweih totgeschlagen, und die Auslieferung der Leiche an die Herrschaft von seinen Eltern verlangt wurde, ist das ihnen bewilligt worden.

b. Haxthausen hat den Sohn eines Groß-Zimmerer Untertanen, der sich im Jahr 1691 aus Tobsucht den Hals abgeschnitten hatte, nach vorangehender Ermittlung an der äußeren Kirchhofmauer begraben lassen.

c. In der Georgenhäuser Mühle Geld wurde gestohlen und ein deswegen verdächtigter Seegräber [iv], der sich in der Mühle aufgehalten hatte, vom Amt Lichtenberg mit bewaffneter Hand verhaftet. Dagegen erhob der damaligen Besitzers Kamptz zu Godow Einspruch und sogleich wurde der Gefangenen auf Befehl des Landgrafen wieder freigelassen.

d. Es hätte sich ein Georgenhäuser Untertan weder zu Lichtenberg noch Umstadt weder aktiv noch passiv jemals rechtfertigen lassen, vielmehr aber habe

e. Johann Friederich Christoph von Walbrunn laut Gerichtsbuch 1629 einen Umstädter Zentuntertanen Peter Friederich aus Zeilhard, wegen Anstiftung zur Schlägerei mit Körperverletzung mit 10 fl. [v] bestraft,

f. Im selben Jahr hatte Peter Mai, Agatha, Tochter von Peter Groß, einer Zauberei beschuldigt, und dass sie den Wahrsagern und Zeichendeutern nachgelaufen sei, mit 50 fl.

g. Am 29.10.1625 wurden Hans Müller und Nikolaus Hechler jeweils mit 10 fl. bestraft, weil Müller den Hechler der Zauberei beschuldigt hatte, und Hechler mit 3 fl., weil er den Müller mit dem Degen angegriffen hatte.

h. Im selben Jahr wurde Valentin Becker von Nieder Ramstadt und Christoph Drocker von Gundernhausen wegen Schlägerei auf der Kirchweih mit 6 lb.[vi] Heller gestraft… [1]

k. Er hat zum Zeichen der richterlichen Gewalt einen noch vorhandenen Pranger in Georgenhausen unangefochten aufrichten lassen.

4. Die jeweiligen Ortsherren haben in Übereinstimmung mit der angeführten Huldigungsformel [vii] sich von den Untertanen zu Georgenhausen öffentlich den Treueid schwören lassen, sie [2]

5. Es wird von der Pfalz und Hessen noch jetzt unterschiedlich beurteilt, ob die Zent zu Georgenhausen zum Amt Lichtenberg oder zu Umstadt gehörig sei. Es ergebe sich übrigens aber aus dem Folgenden, dass Georgenhausen weder dem einem noch dem andern Zentbezirk mit Recht eingegliedert werden könne…

6. Was Lichtenberg anbelangt, könne keineswegs bewiesen werden, dass jemals ein Untertan aus Georgenhausen bei der Lichtenberger Zent erschienen, oder dorthin Abgaben gezahlt oder zum Lichtenberger Militärdienst eingezogen, oder sonst ein Hoheitsakt des Landesherrn ausgeübt worden sei. Vielmehr ist klar zu erkennen, dass man von Seiten des Fürstlichen Amts Lichtenberg die Zentzugehörigkeit in Georgenhausen nicht begründet beanspruchen könne. Denn Hessen hat durch die jüngste Grenzkommission das Dorf Georgenhausen ganz von der Lichtenberger Zent ab- und in den Umstädter Zent-Bezirk absteinen [viii] wollen. Der Rentmeisters zu Lichtenberg war anfangs zwar gegen den zu Georgenhausen aufgerichteten Pranger, sagte dann aber bald darauf nichts mehr dazu, nachdem Haxthausen seine gründliche Beweisführung vorgelegt hatte…

7. Von Umstadt wäre die Zentzugehörigkeit in Georgenhausen niemals in Anspruch genommen oder dort wahrgenommen worden, vielmehr sei die ritterschaftliche Gerichtsbarkeit zu Georgenhausen deutlich anerkannt worden: 1703 wurde Haxthausen aufgefordert, einen aus Umstadt nach Georgenhausen mit Ketten und Banden entwichenen Pferdedieb Johannes Kemmerer zu verhaften, ferner 1712 eine entwichen Ehebrecherim Jahr 1712. Außerdem hat Haxthausen auf Ersuchen des hessischen Kammerrats Homberg den Dilshofer Hofmann verhört wegen einer Beleidigung durch den Schultheißen zu Groß Zimmern …

Trotzdem hätten die Pfalz und Hessen Georgenhausen dem Amt Umstadt unterstellt, weil die Grenzkommission nicht begreifen konnte, dass in Gebieten, die dem pfälzischen und hessischen Odenwald angrenzen, sich auch freiadlige Rittergüter befinden können. Daher habe man Haxthausen in der bisheriger reichsunmittelbaren Gerichtsbarkeit mit gewaltsamer Hand nicht nur zu stören, sondern ihm sie ganz zu entziehen versucht.

Dies ist der Inhalt der Klage Haxthausen mit der Bitte, alles in den ursprünglichen Zustand bringen und ihm seine Unmittelbarkeit zu bestätigen.

 

Allgemeine pfälzische und hessische Argumente

1. Es ergibt sich aus dem beiliegenden kurpfälzischen Lehensbrief (Anlage A) von 1673, dass Löwenstein die Herrschaft Habitzheim nebst den dazu gehörigen Dorfschaften Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen mit Vogteien [ix], Wald, Wasser, Weiden und Gerichten, bis auf den heutigen Tag nach fuldischem lehensrecht innehat.

2. wird aus B. klar: Graf Wolfgang zu Löwenstein hatte bei Kurpfälzischen Lehenshof die Zustimmung eingefordert, einen Kredit von 13.000 fl. auf genannten Lehensort und Dörfer aufzunehmen, um einige ihm von seinem Bruder Heinrich durch Tod zugekommene, und Graf Albrecht verpfändete Güter einlösen zu können. Diese wurde ihm von Kurfürst Ludwig 1581 für 6 Jahre erteilt und daraufhin von Pfalzgraf Johann Casimir um weitere 4 Jahr verlängert mit der Auflage, dass die auf Habitzheim, Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen als Kapital aufgenommener 13.000 fl. von Montag Lätare 1587 an zu rechnen, binnen 4 Jahren wieder abgetragen werden sollen. [3]

3. Der löwensteinische Gült- [x], Kauf- und Pfandbrief (Anlage C) von 1580 weist an mehreren Stellen nach, wie 1580 Graf Wolfgang 6.009 fl. Kapital vom Wormser Stadtkämmerer Georg Krapf jährliche Einnahmen von 150 fl. und 150 Malter Korn unter der Bedingung einer immerwährenden Pfandeinlösung verkaufen, um die von seinem Bruder ererbte Herrschaft einzulösen. Damit wurden auch ausdrücklich die Dörfer Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen, samt deren Nutzung, Zehnten, [xi] Gefällen [xii], Herrschaften und Gerechtigkeiten als Pfand eingesetzt.

4. Auch ist aus einer dieser Urkunde angehängten Nachricht ersichtlich, dass dieses Kapital von 6000 fl. in dem vom Lehenshof bestimmten und vertagten Termin nicht gehörig abgetragen, sondern es sind erst am 27.04.1609 weiter nicht als 2000 fl. nebst der Zinsen bezahlt wurde.

5. Daraus ergibt sich: Der kurpfälzischen Lehenshof ist berechtigt, dieses ohne Übereinkunft, wo nicht ganz veräußerte, doch verpfändete Lehensstück entweder aus dem veruntreuten Kapital zu beanspruchen, oder jedoch wenigstens den Lehnsmann zum Einlösen anzuhalten. Es ist bis auf den heutigen Tag nicht erwiesen, dass Löwenstein dieses als Pfand versetzte Dorf bis zum anberaumten Termin nicht ausgelöst. Er hat nach Ablauf der Frist auch keine weitere Übereinkunft wegen der Verpfändung getroffen und es vermutlich ganz abhanden und in fremdem Besitz kommen lassen. Dabei hatte Löwenstein in Vogteisachen und anderen Rechten nichts zu sagen gehabt und die Pfalz hatte sich das Lehensrecht bei dieser Verpfändung ausdrücklich vorbehalten und ihre Zustimmung nur für 10 Jahre beschränkt. Nun aber ist aus dem Lehnsrecht bekannt, "dass nach dem Verfallen der Zeit die Zustimmung erlischt, wenn sie nicht ausdrücklich oder stillschweigend verlängert wird." [4]

Trotzdem erdreistet sich Haxthausen in seiner Klage beim Kaiserlichen Reichshofrat gegen Pfalz und Hessen, sich als Herrn über das ererbte und unmittelbare Gutseigentum des Dorfs Georgenhausen auszugeben und das Kurpfälzische Lehensrecht als Bestätigung heranzuziehen. Damit gefährdet er seine unmittelbare Herrschaft und Nutzen, die er durch sein Schweigen erhalten hätte, und nötigt gleichsam den Kurfürstlichen Lehenshof, eine längst fällige Klage gegen (sich selbst) anzustrengen, weil er dieses Lehen zu Unrecht zurückhält und leugnet

Andernteils aber ist zugleich aus den oben angeführten Argumenten zu entnehmen, auf was für einem schlechten Grund sich die von Haxthausen angemaßte Reichsunmittelbarkeit und die daraus abgeleiteten Rechte befinden. Angeblich handelt es sich um ein von den Vorfahren ererbtes Recht. Dabei sind Haxthausen und Rechtsvorgänger allem Anschein nach bloße Pfandinhaber von Georgenhausen. Als Löwenstein die Schulden wegen ungünstiger Zeitumstände nicht abtragen konnte, werden sie diese Dörfer in ihrem Besitz behalten oder gar ohne Zustimmung der Pfalz zur Einlösung bekommen haben.

Im ersten Fall muss sich aber Haxthausen der von Löwenstein auf ewig ausbedungenen Pfandeinlösung bewusst sein und das Dorf gegen Rückzahlung von Kapital und Zinsen in jedem Fall zurückerstatten. Im Fall der Veräußerung oder Verpfändung muss er sich bloßgestellte sehen, wenn die Pfalz wegen des Fehlens ihrer Zustimmung Klage erhebt. Er könnte also in Folge eines so gefährlichen Zufall er Dorf und Kapital verlieren, wenn er seinen nichtigen Anspruch aufrechterhält. Und wenn auch Haxthausen im momentanen Besitz des Dorfs gelassen würde und weder eine Pfandeinlösung noch Beanspruchung des Lehens zu befürchten hätte, so ist doch nicht zu begreifen, auf welche Art und Weise er die angemaßte Unmittelbarkeit und Ausnahme von der Umstädter Zent mit gänzlicher und alleiniger Rechtsprechung gegen Pfalz und Hessen durchsetzen könne.

6. Laut dem erwähnten Kurpfälzischen Lehenbrief und dem Löwensteinchen Gült- und Kaufbriefs sowie anderen Dokumenten das Dorf Georgenhausen ist ein unstrittiges Zubehör und untersteht der Umstädter Zent und der Löwensteinischen Vogteiherrschaft Habitzheim. Mithin müssen wie das Ganze auch die mit verbundenen Dörfer Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen der Zent Umstadt unstrittig eingegliedert sein, da "ein Teil demselben Recht untersteht wie das Ganze."

7. Auch nach Kurpfälzischen Lehenbriefs ist Löwenstein im Dorf Georgenhausen weiter nichts als das Vogteirecht und das davon abhängige Lehnsrecht gegeben worden, mithin kann auch auf Haxthausen kein weiteres Recht durch Verpfändungen übertragen werden, "da niemand mehr geben kann, als er hat".

 

Begründete Bedenken

Nun möchte zwar zugunsten von Haxthausen nicht ohne Grund erwidert werden: Wenn auch im gegebenen, nicht eingeräumten Fall die Vogtei zu Georgenhausen schon vom kurpfälzischen Lehen her rührte, könnte dieses Lehensverhältnis jedoch der Unmittelbarkeit nichts wegnehmen. Denn es sei aus dem öffentlichen Recht bekannt, dass man die reichsunmittelbaren Untertänigkeit als Freiheit ansieht, und der Unmittelbarkeit nichts im Weg steht.

Denn was die Adligen an Gütern besitzen, erkennen die Reichsfürsten als Teil oder Ganzes an. Daher kann keine Untertänigkeit beansprucht werden, weil die Adligen nur in Anbetracht der Lehen Lehnsleute sind, nicht aber Untertanen oder Landsassen, [xiii] und unmittelbare Herren, und kein Bürgerliches- oder Strafrecht an ihnen ausgeübt werden darf, außer dem was in Lehenssachen an den Lehenshof in Betracht kommt. [5]

Weiter:

aus folgenden Auszug des Löwensteinschen Salbuchs [xiv] vom Jahr 1549 unter Überschrift D. und dessen nachgesetzten Formalien: "Zu dem so hätten sie auch (nämlich die Grafen von Löwenstein) bei der ganzen Gemeinde zu Georgenhausen die denen von Walbrunn und Oswald von Fechenbach zuständig" …

aus denen Lichtenberger Amtsakten und den von dem Rentmeister Uhloth in den Jahren 1626-07-22; 1627-11-26; 1630; 1645-07-11; 1649; 1652 erstatteten Amtsberichten…

aus dem Hessischen Güter- und Dorf-Buch von 1627. wovon ein Auszug unter Buchstabe … beiliegt…

aus dem Auszug des Fechenbachischen Lagerbuchs 1562 unter Buchstabe E…

aus den von Haxthausen in der weiteren Ausführung seiner Klage selbst, weitläufig aus- und angeführten Argumenten betr. des Dorfs Georgenhausen und deren jedesmaligen Besitzer und Ihrer daselbst ausgeübten Rechten und Gerechtigkeiten …

Aus alle dem ergibt sich tatsächlich so viel:

a. dass dieses Dorf, soweit aus den Akten zu ersehen, schon um 1562, folglich lange vor dem in Archiv zu Gießen gefundenen Löwensteinschen Pfandbrief von 1580 laut genannten Lagerbuch Fechenbach mit 2/3 und Walbrunn mit 1/3 an Gerichtesbußen und Gefällen zugestanden haben, und allem Anschein nach nicht unmittelbar von Löwenstein, sondern anderswo und aus anderem Namen an diese adligen Familien zugefallen sei,

b.) dass Johann Reinhard von Fechenbach sich am 13.09.1604 die Huldigung zu Georgenhausen hat darbringen lassen,

c.) dass die jeweilige Eigentümer dieses Dorf mit Kaufen, Verkaufen, Verpfänden, gleichsam als ihr Eigentum behandelt und gehalten, und Fechenbach bei dem kurpfälzischen Rat und Bevollmächtigten zu Frankfurt Melchior Erasmus 600 fl. auf dieses Dorf als Kapital aufgenommen, ohne jemands Zustimmung darüber zu einzuholen.

d.) Als Fechenbach diese und andere auf seinem Anteil zu Georgenhausen lastende Schulden nicht abtragen konnte, hat er seine zwei Drittel an Georg Hartmuth von Walbrunn verkauft, und ihm die Verbindlichkeiten und unter andern die Forderung des Dr. Erasmus mit überwiesen,

e.) dass Hartmuth von Walbrunn sofort den D. Erasmus auf dieses mit allen Rechten als Pfand versetzte Drittel an Georgenhausen [6] versichert, und diesem den unter Buchstabe F.) beiliegenden Verpflichtungs- und Pfandbrief von 1621 darüber ausgestellt hat.

f.) dass sich dieser Erasmus am 12.10.1627 den 12. Oktober in das zweite Fechenbachische Drittel an Georgenhausen hat einsetzen und huldigen lassen, wenn auch nur auf die Gerichtbarkeit, nachdem Walbrunn und nach seinem Tod Sohn Konrad und Witwe wegen zu großer Schuldenlast die Erbschaft nicht antreten und die Schuld an Erasmus nicht zahlen wollten

g.) dass D. Erasmus 1627 dem Ratsmitglied Wiegand Haberkorn zu Dieburg den Fechenbachischen Anteil für 1015 fl. 22 ½ alb. [xv] überlassen hat und Haberkorn sich am 29.12.1628 sofort einführen ließ.

h.) dass 1649 die Witwe Walbrunn das Walbrunnische Drittel und die von Haberkorn erhandelten Fechenbachischen zwei Drittel an Hans Joachim Kamptz zu Godow für 12.800 fl. verkauft und diesen in das Dorf Georgenhausen hat einführen lassen.

i. ) dass die Besitzer des Dorfs Georgenhausen dort alle Gerichtbarkeit in bürgerlichen, politischen und kirchlichen Sachen ausgeübt haben. Sie haben in Wahrnehmung des Bischofsamts die Pfarrer eingesetzt und den evangelischen Gottesdienst an der Mutterkirche zu Georgenhausen [7] durch Geistliche von Gundernhausen, Roßdorf, jetzt aber durch den Kaplan zu Reinheim versehen lassen. Sie haben auch den Handlungen der hohen Gerichtsbarkeit verschiedene Mal heftig widersprochen, die im Namen von Hessen durch das Oberamt Lichtenberg ausgeübt wurden. Auch hat Walbrunn schon 1627 niemand anders als dem Reichskammergericht die höchste Gerichtbarkeit gestattet. Er wollte auch von der hessischen Regierung keine Weisungen annehmen, sondern hat sogar die in Georgenhausen auf Befehl des Landgrafen angeschlagene kaiserliche Verordnung über die Anwerbung von Soldaten im Jahr 16.. zweimal abreißen und durch Notar und Zeugen dagegen Einspruch erheben lassen. [xvi]

k.) dass das Dorf Georgenhausen und dessen Einwohner weder den Umstädter noch den Lichtenberger Zent-Orten in der Zent-Rolle eingegliedert und beigeschrieben sind. Die Einwohner sind bei ein- oder dem anderen Zent- und Landgericht [xvii] nie erschienen, oder zu Zent-Wachestehen, Einquartierung und Wehrdienst und anderen Verpflichtungen nie angehalten worden, sondern davon jedesmal ausgenommen und frei geblieben.

Durch die bisher angeführten und die von Haxthausen selbst abgeleiteten Grundlagen wird die Haxthausische Reichsunmittelbarkeit nicht wenig befestigt. Sie scheint für den Besitz so weit bestärkt zu werden, dass damit Haxthausen wenigstens einen Anspruch der Besitzstandswahrung vorbringen kann. Damit kann er der Pfalz und Hessen die Last, das Gegenteil zu beweisen, umso leichter aufbürden, je plausibler die Herren des Ritteradels ihr Reichsunmittelbarkeit und Rechte schon seit den Zeiten der Franken und Karolinger abzuleiten wissen. Sie werden sich beim Kaiser für den Georgenhäuser Hof einsetzen, der von den Herrschaftsrechten des Reichs als einziges übrigen geblieben ist, und so viel zu bewirken wissen, dass eher für die Freiheit als die Untertänigkeit der Ritterschaftlichen Glieder gesprochen werden dürfe, vor allem, wenn Haxthausen anwesend ist und dieser beweisen könnte, dass die Herrschaft Habitzheim, wie aus Anlage A ersichtlich, vormals Erbachisch gewesen, mithin in einem nicht eingeschlossenen Gebiet gelegen sei.

Nun sind ja in diesem Fall dem Kurpfälzischen Lehenshofs durch Löwenstein die Vogteirechte nebst Einnahmen ohne Zustimmung der Pfalz, wenn nicht direkt in fremde Hände gelangt, so doch verpfändet, durch Nachlässigkeit verloren und indirekt fremden Händen zugespielt worden. Haxthausen hat diese Rechte unrechtmäßig durch einen Selbsthilfeakt in Anspruch genommen. Man könnte sie also gegen Haxthausen einklagen und, wenigstens was die Vogteirechte betrifft, gänzlich beanspruchen. In der Vogtei besteht ja der Kern und die Seele des Anspruchs auf Georgenhausen. Haxthausen könnte in den Eigentumsfragen beim Obersten Gerichtshof gerechtfertigt bleiben, wenn es um weiter nichts ginge als um die bloße Unmittelbarkeit und daraus in Anmaßung abgeleitete Gebietsrechte zu Georgenhausen.

So wird denn in dieser Sache höheren Orts reiflich zu überlegen sein: Sind die Umstädter und Lichtenberger Argumente in soweit beweiskräftig, dass sie gegen Haxthausen wenigstens im ordnungsgemäßen Eigentum ausreichen, und damit Pfalz und Hessen mit vereinten Kräften behaupten können, dass Georgenhausen der Umstädter Zent untersteht?

 

Lichtenberger Argumente

I. Wird in obigem Auszug des fürstlich-hessischen Dorf- und Güterbuchs von 1627 Hessen die bloße Hoheit und Landesfürstliche hohe Obrigkeit in Geogenhausen zugeschrieben, und beiläufig angemerkt, dass das Dorf der Witwe Walbrunn [8] mit denen Kirchensachen, so dann in politischen wie bürgerlichen Sachen mit Weigand Haberkorn [unlesbar] seien.

II. Ergibt sich aus dem Fechenbachischen Lager Buch von 1562 unter Buchstabe M [9] und aus einer [10] Aufzählung der Gefälle und Gerechtigkeit, die Weigand Haberkorn aus Georgenhausen erhoben hat: Walbrunn hat 1/3 und Fechenbach 2/3 an den Rechten zu Georgenhausen gehabt und beansprucht. Von reichsunmittelbarer Hoheits- und andern jetzt beanspruchten Rechten aber wird darin nichts erwähnt.

III. Haben zufolge eingeschickten Amtsberichts des Amtskellers Buchner zu Umstadt von 1686 damals zwei Mann aus Georgenhausen, Dietrich Buxbaum, der Schultheiß, und Hans Wentz, des dortigen Gerichts, deren jeder 1616 geboren und zu dieser Zeit 70 Jahre alt gewesen, freiwillig und in Gegenwart des Schultheißen zu Spachbrücken und zweier Gerichtsmänner ausgesagt, dass dem Hessen die Oberbotmäßigkeit in Georgenhausen gebühre. Er habe auch über Straf- und Hurerei-Sachen zu befehlen. Beispiel: Als vor 80 Jahren einer einen Mord zu Georgenhausen begangen habe, sei er nach Lichtenberg und sofort auf Darmstadt geführt und dort enthauptet worden. [11] Wobei der Schultheiß von Spachbrücken ebenfalls zugegeben hat, dass ja die Georgenhäuser selbst sprechen, die Oberbotmäßigkeit in Georgenhausen sei hessisch und gehöre nach Lichtenberg.

V. [Folgendes kaum verständlich] Zeigen weiterhin folgende Vorgänge, dass bei Vorfällen von Georgenhäuser Gemeindsleuten oder Auswärtigen von denen dortigen Freiherren keine Gerichtsverfahren vollzogen oder vorweggenommen wurden. Und wenn Walbrunn und Fechenbach nebst deren Nachfolgern selbst zu belangen waren, hat sofort der Einspruch an den Landgrafen ihnen die Regierungsgewalt genommen. Mithin hat Hessen das höchste Recht der Anrufung, Berufung und Rechtsprechung seit undenklichen Zeiten wahrgenommen sowie andere territoriale Rechtsakte dort ausgeübt, und zwar gegen die adligen Besitzer dieses Dorfs selbst, welches doch mit der gerühmten Unmittelbarkeit nicht zu vereinbaren sei.

Zudem [12] hat am 11.07.1645 der Zentmeister Uhloth berichtet, dass schon zur Zeit Karls V. während des Schmalkaldischen Kriegs, und als man die Stadt Frankfurt am Main belagerte, habe Hessen sich dieses Dorfs Georgenhausen sich angenommen. Alexander von der Tann als damaliger Oberamtmann zu Darmstadt habe Vorschläge gemacht, wie dieses Dorf landesfürstlich zu schützen, und mit einer Schutzwache zu versehen sei. Es wurden die Landstreicher, Zigeuner und herrenlose Gesindel aus diesem Dorf durch den Zentbüttel zu Lichtenberg ausgewiesen. Demnach wurde der Ort in Friedens- wie in Kriegszeit von Hessen geschützt.

Im selben Jahr und am selben Tag wurden die Georgenhäuser Juden zum Verhör nach Darmstadt berufen und durch den Juden Manasse von Darmstadt zur allgemeinen Juden-Veranlagung herangezogen, und tatsächlich besteuert, trotz des Einspruchs von Kamptz. Auch sind die Georgenhäuser in den Kriegsläufen einige Mal zum Wehrdienst nach Lichtenberg eingezogen und zu Wachdiensten eingeteilt worden.

Im Jahr 1686 hat man durchs Amt Lichtenberg ein Kaiserliches Gebot, die Anwerbung (von Soldaten) betreffend, in Georgenhausen öffentlich anschlagen. Als es die Witwe Haxthausen abreißen ließ, sind ihr deswegen 100 Goldgulden Strafe auferlegt worden. Das Gebot wurde nochmals angeschlagen, und nachdem die Witwe es nochmals abreißen und durch Notar und Zeugen in Darmstadt dagegen Einspruch erheben ließ, ist der Notar mit den Zeugen in Arrest gesetzt, endlich nach Widerruf des Einspruchs und ausgestelltem Schein entlassen worden. Dann wurde dieses Gebot das dritte Mal angeschlagen und ein Einspruch der Fränkischen Odenwald-Ritterschaft mit einem nachdrücklichen Widerspruch zurückgeschickt worden.

Wir haben ja großen Bedenken, ob mit diesen Argumenten allein, von denen in den Akten keine weitere zu finden sind, die territoriale Hoheit mit der bloßen Befehlsgewalt gegen Kurpfalz und Haxthausen persönlich wirksam zu behaupten sei. Denn die häufigen älteren Berichte des Beamten [Uhloth] zu Lichtenberg laufen darauf hinaus, dass die territoriale Gerichtsbarkeit mit der bloßen Befehlsgewalt im Dorf Georgenhausen Hessen zustehe. Allerdings springt der Keller Uhloth in seinem jüngsten Bericht von 1652 von den alten Grundsätzen und Annahmen auf einmal gar zu weit ab und kommt zu einer vorsichtigeren Meinung: Obwohl die bloße Befehlsgewalt in Georgenhausen Hessen zusteht, kann das landesherrliche Recht nicht wohl von Natur aus behauptet werden, weil dieses Dorf mit Umstädter Zent also umschlossen ist, dass man nicht hineinkommen kann, ohne die Umstädter Zent zu berühren. [xviii]

Sodann hat Uhloth selbst mehrfach in den Berichten angeführt, dass dieses Dorf weder dem Landgrafen huldige, noch jemals zur Zent Ober-Ramstadt berufen wurde [xix], dass auch keine herrschaftliche Steuern dahin erhoben, sondern aus dem einzigen Grund, weil dieses Dorf innerhalb der Grenzen von Lichtenberg gelegen sei und andere Akte der Rechtssprechung dort geübt wurden.... Daraus aber lässt sich aber weder eine teilweise Landeshoheit noch eine gesamte begründen. Man kann auch nicht sagen: Lichtenberg grenzt in seinem Gebiet mit dem gemeinschaftlichen Ort Zeilhard und Spachbrücken, also gehören diese mit dem Gebiet nach Lichtenberg. Es ist unbestritten, dass die meisten von den oben aufgezählten Besitzakten Stück für Stück nach dem 30jährigen Krieg ausgeübt worden sind. Mithin lassen sie sich gegen Kurpfalz nicht rechtswirksam zu als Argumente einsetzen. Denn die Kurfürsten haben sich genügend vorgesehen und abgesichert: Die Rechtsverhältnisse wurden auf den Stand von 1618 zurückgeführt, so dass alle Urteile im 30jährigen Krieg aufgehoben wurden. Auch hat man sich bei jeder Zusammenkunft allenfalls auch gegen die Nachkriegsakten gegen Hessen genügend abgesichert. [xx]

Es wurden viele vorhin angeführter Akten nicht erhärtet, vielen widersprochen und verschiedene mit höchstem Misstrauen ausgeübt. Beispiel: ein Verhör gegen den Haxthausischen Schultheiß Beck im Jahr 1703 wegen Ehebruch wurde nicht weiter verfolgt, Haxthausen hatte sogar Beck bei 20 fl. Strafe das Erscheinen vor Gericht verboten. So wurde die Sache totgeschwiegen auf sich beruhen gelassen. Es scheint sich auch aus den Haxthausischen Klagen zu ergeben, dass nicht einmal der von Haxthausen aufgestellte Pranger wieder abgeschafft wurde.

Demnach reichen diese von Lichtenberg angeführte Schlüsse vom Größeren zum Geringeren weder gegen Kurpfalz noch den von Haxthausen aus.

 

Argumente, teils allgemein, teils von Haxthausen vorgebracht

Auf Befehl und im Einvernehmen mit der Pfalz werden nun alle Sachen, die in einigen Jahren gegen Haxthausen verhandelt wurden, zusammengesucht und in einen Vorgang zusammengefasst. Sie bestätigen die Folgerungen der Lichtenberger Amtsakten in Sachen Besitz und in Sachen Klage folgendermaßen:

Den adligen Besitzern von Georgenhausen hat bisher keine Unmittelbarkeit zugestanden. Sondern sie wurden von Umstadt und Lichtenberg als Landsassen behandelt und dadurch wurde die territoriale und Zentgerichtsbarkeit in Georgenhausen bis heute bewahrt. Daher trägt Haxthausen die Beweislast, dass dies nicht der Fall ist.

VI. Jeder Unparteiische kann erkennen, dass das Dorf Georgenhausen von Groß-Zimmerner, Zeilharder und Sprachbrücker Gemarkung ganz umschlossen und mit diesen drei Zent-Gemarkungen ganz in dem Umstädter Zentbezirk eingeschlossen sind. So muss Georgenhausen demnach auch als Zubehör von Umstadt gelten, bis Haxthausen das Gegenteil bewiesen hat. Er hat allerdings bisher noch keine Akten vorgelegt.

Dieses Dorf Georgenhausen gehört also zur Herrschaft Habitzheim und mit dieser unstrittig zur Umstädter Zent und hat demnach denselben Rechtsstand.

Aus der Geschichte ist bekannt, dass Kurpfalz nicht nur das ganze Amt Umstadt, sondern auch die Herrschaft Habitzheim mit Zubehör um das Jahr 1390 vom Abt zu Fulda gekauft hat. Demnach und weil Georgenhausen auch als ehemals Fuldisches Land zu einem geschlossenen Gebiet gehört, wird Haxthausen der Beweis der Unmittelbarkeit schwer fallen. In dergleichen Gebiete kann ja bekanntlich keine Unmittelbarkeit gegenüber der Pfalz gelassen werden, sondern "ein Land, das in einem geschlossenen Gebiet gelegen ist, wird für mittelbar gehalten, weil man anzunehmen ist, dass die Sache immer in demselben Zustand verblieben ist." [13]

Anfangs waren unter den Franken und den karolingischen Kaisern alle Gebiete unmittelbar. Dann aber hat Karl der Große die großen Herzogtümer in kleine Grafschaften zerteilt. Die damaligen geistlichen und weltlichen Stände des Reichs hatten bisher ihre Länder nur als Verwaltungstitel [xxi] besessen. Nach der Karolingerzeit wurden sie ganz erblich, damit mittelbar und (den Reichsfürsten) untertan und sind auch in diesem Stand verblieben. Als aber durch den Untergang der Fränkischen und Schwäbischen Herzöge diese zwei großen Herzogtümer zertrümmert wurden, fanden einige mittelbare Adlige Gelegenheit, sich unmittelbar zu machen. Daraus ergibt sich, dass so lange eine Mittelbarkeit und Landsassenschaft angenommen werden muss, bis die Ausnahme und Freiheit bewiesen sind. [14]

Das wird besonders durch die abschriftlich anliegende beglaubigte Urkunde einleuchtend erhellt: Friedrich Gottfried von Wallersdorf hatte folgende Forderungen an den letzten Besitzer des Dorfes Georgenhausen: im Namen seiner Mutter [15] Mitgift Gelder 3000 fl. Kapital mit Zinsen, und (im Namen seiner Tante) [16] eben so viele Gelder und Zinsen. Dieser hatte dafür beiden Anspruchstellern das Dorf Georgenhausen nach dem Pfandrecht zum Besitz eingeräumt. Das bedeutet, das beide Gläubiger ihr Pfand- und erworbenes bloßes natürliches Besitzrecht an Johann Joachim Kamptz zu Godow für 12.800 fl. rechtskräftig überlassen hatten. Nun hatte Wallersdorf damals als erster für sich Besitzrechte im Dorf Georgenhausen ergriffen, die er zuvor nicht gehabt hatte, und seine und seiner Tante Forderungen samt seinen Besitzrechten auf Georgenhausen und allem Zubehör aufgegeben und den Kamptz darin erblich eingesetzt, die Gemeindsleute der Pflichten gegenüber Walbrunn entbunden, und dem Kamptz den Treueid auf die Hand leisten lassen.

Dies hat Kamptz notariell bestätigen lassen.

So folgt hieraus: Joachim Kamptz zu Godow wollte nicht Hoheiten, Reichsunmittelbarkeit und andere Herrschaftsrechte erwerben, sondern die bloßen Vogteirechte, die Hartmut von Walbrunn besessen hatte. Daher konnten Kamptz und sein Nachfolger Haxthausen nicht mehr Recht in Georgenhausen als Wallersdorf und Wangenheim wegen ihrer Forderung, beanspruchen. Kamptz ist mithin lediglich Pfandgläubiger, dem zur Sicherung der Schuld das Dorf zum Pfand eingeräumt wurde. Folglich musste er sich den Rechten nach damit rechnen, dass Walbrunn das Dorf Georgenhausen wieder auslösen und an sich bringen könnte. Daher muss man die Rechte, die Walbrunn nicht besessen und ausgeübt hatte, von Kamptz und Haxthausen aber in Anspruch genommen wurden, für bloße Behauptungen halten. Daher kann Haxthausen aufgrund dieser Beweisfrührung keine Unmittelbarkeit in Georgenhausen eingeräumt werden. Denn auch Hartmut von Walbrunn, von dem doch Kamptz all sein Recht herleitet, wurde niemals Unmittelbarkeit zugestanden, sondern wurde wie ein Landsasse behandelt.

Nun habe zwar ich, der Unterzeichnete, Befehl erhalten, mich in dieser Sache mit dem kurpfälzischen Beamten abzusprechen und die Einzelheiten zur Beantwortung der Haxthausischen Klagen gemeinschaftlich zu bearbeiten. Wir sind diesem Befehl auch nachgekommen, dass der pfälzische Beamte hiervon in Kenntnis gesetzt wurde. Wir vereinbarten, uns an einem bestimmten Tag zusammenzusetzen, die Akten genau zu durchleuchten, und den Löwensteinischen Amtskeller zu Habitzheim mit dazu einzuladen, da er die wichtigsten Akten von dieser Sache haben würde. Der pfälzische Beamter gibt allerdings vor, nicht unterrichtet zu sein oder in dieser Sache etwas bekommen zu haben. Es wurde zwar der 12. Oktober als Termin der Zusammenkunft anberaumt, aber nicht eingehalten, weil sich der Löwensteinische Beamte ohne Befehl nicht darauf einlassen wollte und der Hofkammerrat Dickhaut in privaten Angelegenheiten nach Mainz verreisen musste, wovon er noch nicht zurück ist.

Kurpfalz und Hessen haben also zwar in dieser Sach Kontakt aufgenommen, doch ihrem Beamten noch nichts zugeschickt. Daher steht zu befürchten, dass die Pfälzer unter dem Anschein einer vorgetäuschten vertrauten Verständigung unsre Stärken und Schwächen in der Sache gern aufdecken, sobald sie aber unsre schwachen Punkte erkannt haben, sofort abspringen, wie es beim Löwensteinischen Prozess geschehen ist. Da Haxthausen besonders viele Parteigänger am kurpfälzischen Hofe hat, empfehle ich Euch, dem Landgrafen: Bevor man der Pfalz unsre Argumente mitteilt, müsste Folgendes geschehen:

1. Vor allem ist mit den Pfälzern der Beistand im Rechtsstreit durch eine verbindliche Abrede dermaßen festzustellen, damit sie nicht so leicht wieder abspringen können, wenn sich im Laufe des Prozesses die Gelegenheit ergibt.

2. (Lässt sich) in den Walbrunnischen Akten, besonders in ihrem Lagerbuch, die uralte Beschaffenheit und Eigenschaft diese Dorfs (ermitteln)? Es geht besonders darum, wann und von wem Georgenhausen an Walbrunn und Fechenbach gekommen ist. Ferner (müsste nachgeprüft werden) und ob diese beiden (heute) zur Auslösung dieses Dorfs fähig sind. Dann könnte man mit ihnen gemeinsame Sache machen und ihre Rechte gesondert gegen Haxthausen verfechten.

3. Ich bin durch eine sicheren Quelle auf die Spur gekommen, dass Haxthausens Vorgänger der Kamptz der erste gewesen sei, der ums Jahr 1650 sich der fränkischen Ritterschaft im Odenwald heimlich angeschlossen und unmittelbar gemacht hat und an Stelle eine Abgeltung dafür zum Ritter Rat gewählt wurde. [xxii]

So könnte die nicht stichhaltige Begründung der angeblichen Unmittelbarkeit dadurch am besten ans Licht gestellt [17] und aus der Ferne erforscht und ausfindig gemacht werden, ob und wann dieses Dorf Georgenhausen nebst dem Hof Dilshofen zuerst bei der Ritterschaft eingeschrieben wurde, und davon die ersten Hilfsmittel vorgestellt werden.

4. Archivrat Wagner in Gießen hat in beiliegendem Bericht mitgeteilt, dass Landgraf Ludwig 1624 den Löwensteinischen Pfandbrief von 1580 gekauft habe. Es müsste eine nähere Erläuterung angefordert werden, wo er diese Nachricht hergenommen hat. Dieser Bericht verursacht nicht geringe Bedenken: Haben Walbrunn und Fechenbach dieses Dorf Georgenhausen laut Löwensteinischem Salbuch schon im Jahr 1549 besessen, folglich vor der Löwensteinischen Verpfändung von 1580, vielleicht aus einem anderen Rechtsgrund?

5. Es wäre nötig, den Bericht des Rentmeisters zu Lichtenberg zu anzufordern, ob von Haxthausen in Georgenhausen aufgerichtete Pranger sich noch in Georgenhausen befindet oder ob er befehlsgemäß abgeschafft wurde.

6. Im Gutachten zum (Prozess) gegen Löwenstein wurde gleich am Anfang [18] dargelegt, dass Landgraf Ludwig von damaligem Reichs-Vizekanzler von Strahlendorf die Vogtei Habitzheim [19] 1623 für 25.000 Reichstaler in bar gekauft und sogleich die darauf liegenden Schulden abgetragen hatte. Damit war er in den völligen Besitz (dieser Vogtei) gelangt. Aus diesem und Archivrat Wagners Bericht scheint auch hervorzugehen, dass damals die auf diesen Dörfern liegend Forderung des Stadtkämmerers Krapp zu Worms zu 4.000 fl. abgetragen und die mir abschriftlich vorliegenenden Gültbriefe von 1580 eingelöst wurden.

So wäre demnach noch in den Rechnungen der Kammerschreiberei 1623/ 24 ff. nachzuschlagen unter der Überschrift "Geldausgaben wegen gekaufter Einkünfte und Ländereien" und nachzuprüfen, ob darin hessische Rechte zu Georgenhausen zu erkennen sind. Dann wäre genau zu überlegen, ob und wie man mit Kurpfalz zusammen mit Hessen oder gesondert handeln und die Haxthausischen Argumente zurückweisen solle. Bis dahin getraue ich mich nicht mit dem pfälzischen Beamten in dieser Sache einzulassen, sondern erwarte erst auf diesen Vorbericht weitere Weisungen.

Groß-Umstadt den 26.10.1726.

Wilhelm Ludwig Steck.


 

Ergänzungen Original

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] … [Er hat auch 1625 eine Verordnung betr.] besserer Verwaltung der Kirchen- und Kindergüter öffentlich anschlagen lassen

[2] "mit allen oberen und niederen Rechten, Ge- und Verboten, Frondiensten, Wasser und Weiden, auch aller hoher und niederer Staatsgewalt anzuerkennen und zu ehren, auch ihnen getreu, hold und dienstfertig sein zu wollen" (Wortlaut des Treueids)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[3] Diese Schuld ist zu der Zeit abgelegt worden, als man die Herrschaft Habitzheim aus der Abtretung Strahlendorfs im Ersatz gehabt
Vgl. die Akten Löwenstein gegen Hessen usw. S. 515. 813 und stellenweise A. T. IV S. 371. S. 377
.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[4] Str… in Exam: J. F. Cap. XIX. n. 12.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[5] Limnæus T. b. c. z. n. z. ff.; Schweder: J. P. P. Spec: S. 11. c. 18. §. 2. p. 958.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[6] welche als ganz eigen, frei und nicht aus einem Lehen stammend angegeben worden ist, mit Einschließung der gekauften Fechenbachischen zwei Dritteln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[7] wohin die beide Höfe Dilshofen nebst dortigem Zent-Ort Zeilhard als Filial eingepfarrt sein sollen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[8] geborene Mosbach von Lindenfels

[9] Liegt in der Mappe "Wiederaufnahme des Verfahrens" unter Buchstabe M.

[10] den Lichtenberger Amtsakten beiliegenden

 

 

 

 

 

[11] IV. Legen noch folgende Vorentscheidungen klar an den Tag, was für auffallende Zent- und Kriminalvorfälle von Seiten des fürstlichen Hauses Hessen in Georgenhausen … Diese finden sich in der Mappe unter Nr…

 

 

 

 

 

 

[12] Diese Vorgänge finden sich in der in der Mappe "Wiederaufnahme des Verfahrens" genauer dargestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[13] Siehe: Kemmerich im öffentlichen Recht. L.VIII.§.XII. wo er fortfährt: "Daher ist es vernünftig, dass, wer bei einem geschlossenen Gebiet eine Ausnahme geltend macht, sich der Beweislast unterziehen muss."

[14] Siehe: Helfrich: in der Dissertation "Über die künstliche Unterscheidung des Adels zwischen mittelbaren und unmittelbaren deutschen Ländern und die falsche auf die ersteren angewendeten ursprüngliche Unmittelbarkeit der Adligen" S.R.B.
Zum Ganzen auch: Joh. Helv. Sinold genannt von Schütz betr. Öffentliches Recht Buch: 1. Abschn.: 11. Abs.. 3. S..305. wo dargelegt wird, "Es gibt keinen Grund zu leugnen, dass als einst die Herzöge, Grafen, Bischöfe, Erzbischöfe mit ihren Gebieten ausgestattet wurden, wie die gesamten Ländereien mitsamt Rechten auch die Hoheit jederlei Gerichtbarkeit an sie übergegangen seien, also auch die Adligen, die in diesen Gebieten Macht haben, Untertanen der Gerichtbarkeit des Fürsten blieben, und daran festgehalten werden müsse, wenn sie sich mit ihrer Freiheit brüsteten, die Ausnahme beweisen müssten.

[15] Anna Magdalena einer geborenen von Walbrunn

[16] Anna von Mauchenheim genannt Bechtolsheim einer geborenen von Walbrunn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[17] wenn durch ein Mitglied vorbesagter unmittelbaren Ritterschaft oder von dem Ritter Hauptmann von Gemmingen, der sich einmal gegenüber dem Kanzler von Schröder geäußert hatte, dass die Haxthausische Sache mit Lumpen gefüttert (nicht stichhaltig) sei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[18] im Druck ausgelassen

[19] vom Kaiser zur Auslösung gegebene beschlagnahmte und in vier Dörfern, nämlich in Habitzheim, Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen bestehende

 

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Übersicht

 

Abschrift | Übersetzung ins heutige Deutsch | gestraffte Übertragung

 

Datum: 2009

Aktuell: 09.02.2019