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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen: Personen

Rüedegêr von Bechelâren

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Der sympathische Mann ist Etzels Markgraf mit Sitz in Pöchlarn an der Donau. Markgrafen gab es dort seit 956, [1]
Von diesem österreichischen Sagenhelden berichten auch zwei andere Dichter des 11er-Jahrhunderts: Metellus von Tegernsee (Rogerius [2] ) und Anonymus Spervogel. Ein Eintrag im Totenbuch des Stifts St. Andrä bei Wien (12er Jahrhundert) nennt einen Rudigerus marchio. [3] Für eine dermaßen späte Persönlichkeit hätte der Dichter aber nur eine Statistenrolle (wie Gêre) oder nur eine bloße Erwähnung (wie Ritschart) übrig gehabt.
Dies spricht dafür, dass das historische Vorbild wesentlich früher gelebt haben muss.
Im Beowulf wird von einem Dänenkönig Hróðgár [4] erzählt, der wie Rüedegêr alle Tugenden eines Herrschers in sich vereinigt. Er muss in einer Zeit gelebt haben, in der es für Dänemark noch keine historischen Quellen gab, also vor 600.

Wenn der Dichter überhaupt an eine zeitgenössische Persönlichkeit gedacht hat, dann wohl an den Normannen Roger, Sohn des Tankred [5], 1130-54 König von Sizilien. Ob der aber wirklich der Inbegriff eines weisen Herrschers war, so dass er ein Namenspatron für den Markgrafen werden konnte?
Der oben erwähnte Rudigerus marchio ist wohl eher nach der aus dem Nibelungenlied bekannten Person benannt als umgekehrt.

 

[1] Helmut Berndt, Die Nibelungen 259

[2] Otfried Ehrismann, Nibelungenlied, Epoche, Werk, Wirkung ² 25
[3] Berndt 260 f


 

[4] angelsächsische Form von germ. *Hrôð-gaiż, das mhd. Rüedeger ergeben hat

 

[5] vgl. Dancrât im Nibelungenlied

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Datum: 1994 /2006

Aktuell: 09.02.2019