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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen, Stoffgeschichte

Die schlafende Jungfrau

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In der nordischen Überlieferung ist Brynhild eine Walküre, die einen Zweikampf anders entschieden hatte, als Odin es befahl. Zur Strafe wird sie in einen Zauberschlaf versenkt. Sigurd erweckt sie und verlobt sich mit ihr.

In den verschiedenen Fassungen der Geschichte wird der Zauber zusätzlich durch einen Schildzaun oder einer Waberlohe geschützt. Wer zudem Mädchen will, muss dieses Hindernis überwinden. Gunnar schafft das nicht, aber Sigurd gelingt es.

Diese beiden Motive erinnern an das Märchen von Dornröschen: Die Königstochter verfällt in einen hundertjährigen Zauberschlaf. In dieser Zeit wuchert eine undurchdringliche Dornhecke um das Schloss, an der viele scheitern, die die Jungfrau erlösen möchten. Erst nach Ablauf der Frist gelingt es dem auserwählten Prinzen, das Hindernis mühelos zu überwinden und das Mädchen wachzuküssen.

Das Märchen ist ein archetypisches Bild für das Heranwachsen eines Mädchens, das in einer Art Zauberschlaf befangen ist und keinen Blick für die Männer hat, bis der "Richtige" kommt und den Bann bricht. Es ist also weder Vorlage noch Nachhall der Brynhildgeschichte, sondern Ausdruck einer Lebenserfahrung, die sich in beiden Geschichten mit ähnlichen Bildern artikuliert.


Ein ähnliches Märchen ist "Schneewittchen", bei dem der Konflikt zwischen heranwachsender Tochter und älter werdender Mutter im Vordergrund steht. Auch Schneewittchen verfällt in eine Art Zauberschlaf, aus dem sie von einem Prinzen erweckt wird.

Amor und Psyche

Weitere Parallelen zur "schlafenden Jungfrau" bei Grimm: 111 Der gelernte Jäger; 163 Der gläserne Sarg

Zu diesen archetypischen Märchen von der mannbaren Jungfrau gehören auch die Geschichten von der Freierprobe.

   

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Datum: 1994 /2006

Aktuell: 09.02.2019