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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Fragen und Antworten

Bewusstsein

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Frage:

  • Ich suche das althochdeutsche Wort für 'Bewußtsein', oder 'sich einer Sache bewußt sein'.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

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Abkürzungen

 

   

 

Meine Antwort:

  • Bewusstsein wurde erst 1720 geprägt, bewusst ist vor 1522 nicht nachzuweisen.

  • Was wir heute bewusst, Bewusstsein nennen, war im Althochdeutschen 142.388.381

    • bewusst: giwizzan; wizzanto 'wissend'

      • sich bewusst sein: wīs sīn wissend sein'

    • Bewusstsein:

      • giwizzida; giwizzidī 'Wissen, Kenntnis, Kunde, Verständigkeit, Bewusstsein, Gewissen

      • wizzantheit 'Wissen, Kenntnis, Erkenntnis, Erkenntnis, Bewusstsein, Gewissen, Vorherwissen, Vorbedacht'

      • wizzi 'Wissen, Vernunft, Verstand, Einsicht, Weisheit, Bewusstsein, Klugheit'

  • Heute verstehen wir unter Bewusstsein:

    • Selbstbewusstsein

      • 1. "Wissen der eigenen Existenz", die Fähigkeit sich im Spiegel zu erkennen, über sich selbst nachzudenken

        • Im Spiegel erkennen sich auch manche Tiere

      • 2. Selbstwertgefühl, Wissen um seinen Platz in der Rangordnung. Mir das aufgefallen bei einer Jubiläumsfeier, da trug ein "hohes Tier" seine Nase auffallend hoch. Und als ich mir die Fotos von meiner Geburtstagsfeier anguckte, merkte ich, dass ich genauso "hochnäsig" dastand.

        • Auch soziale Tiere kennen ihren Platz in der Rangordnung und verhalten sich entsprechend.

    • Wahrnehmung und Verarbeitung der Eindrücke

      • Ich diskutierte mal mit einem älteren ostdeutschen Atomphysiker, ob Tiere diese Art von Bewusstsein haben.

        • Er hatte gelernt, sie seien nur Automaten. Der Frosch sitzt am Teich und glotzt stumpfsinnig in die Gegend. Da bewegt sich was vor seinen Augen, Zunge raus, Zunge rein und wenn er Glück hat, hat er ein Insekt erwischt. Solche automatischen Reflexe haben wir auch, z. B., wenn was unserm Auge zu nahe kommt.

        Vielleicht ist es ja bei den Fröschen wirklich so.

      • Aber Raubtiere haben doch eine Strategie und rennen nicht stumpfsinnig hinter allem her, was sich bewegt. Ein Löwenrudel sucht sich seine Opfer aus und geht Büffeln, Nashörnern oder Elefanten ais dem Weg. Es rennt auch nicht blindwütig auf eine Herde los, sondern sucht sich schwache Tier aus, die leicht zu isolieren sind. Und rennen nicht zu fünft ihm nach, sondern verteilen sich. Ein Tier sitzt im Hinterhalt und die anderen treiben ihm das Opfer zu.

      • Ober-Schimpansen haben eine Karte ihres Reviers und einen Kalender im Kopf und wissen genau, welcher Baum zu welcher Zeit Früchte trägt. Die Horde wandert nicht planlos durch den Wald, sondern sucht gezielt die Bäume aus, deren Früchte jetzt reif sind.

      • Und sogar die Bienen können sich merken, welche Blüten sie schon besucht haben. Wenn das kein Bewusstsein ist!

    • Volle Aufmerksamkeit,

      • die uns fehlt in Schlaf, Ohnmacht, Koma, und eingeschränkt ist, wenn wir uns auf etwas konzentrieren.

      • Aber auch unbewusst kriegen wir vieles mit. Und vieles, was wir scheint's vergessen haben, ist doch noch in unserm Gehirn gespeichert und wird bei Bedarf aktiviert (oder auch nicht).

 

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Übersicht

 

Begriffe: Psychologie | Sprachecke 16.09.2014

Was ist Bewusstsein?

 

Datum: 2018

Aktuell: 27.06.2018