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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Fragen und Antworten

Lichtverschmutzung

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Frage:

Mich würde interessieren, wie sie den Begriff "Lichtverschmutzung" einordnen.

Ich stelle gerne den Vergleich zur Luftverschmutzung her, wobei in die "Luft" Partikel, Gase, etc. eingetragen werden, die dort zu einer Verunreinigung führen. Hingegen wird nach meinem Verständnis bei der sogenannten Lichtverschmutzung nicht das Licht an sich, sondern die ohne fremde Einflüsse natürlich vorhandene Dunkelheit der Nachtphase beeinträchtigt. Wenn ich beide Begriffe also nebeneinander stelle wird demnach bei der Luftverschmutzung (ebenso bei der Umweltverschmutzung) artfremdes eingetragen, während das bei der Lichtverschmutzung das Licht selbst "Verschmutzer" der natürlichen Dunkelheit ist.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

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Meine Antwort:

Sie haben Recht, dass Lichtverschmutzung nicht nur als solche, sondern auch als Wort ein Unding ist.

Grundsätzlich können wir ein substantiviertes Verb auf zweierlei Arten mit einem anderen Substantiv verbinden:

als Zusammensetzung wie Engelsgeduld = Geduld, die nur ein Engel aufbringen kann.

Bei "x(Genitiv) + y" ist y das Opfer und x der Täter / die Tat, ähnlich Flaschenöffner, Geschäftseröffnung, Tagesordnung

durch eine Präposition wie "Geduld mit Ihrem Schutzengel", der nicht schneller fliegen kann als Sie fahren.

Bei "x + Präposition + y" kommt es auf die Präposition an: In der Regel ist x die "Tat", und was damit ist, wird durch die Präposition ausgedrückt: "Geduld mit (dem Objekt), Überlastung (des Subjekts) durch".

Und da sehen wir gleich, dass diese einfache Regel nicht immer stimmt:

Arbeitsüberlastung ist nicht eine Überlastung der Arbeit, sondern durch Arbeit.

Milchmädchenrechnung ist nicht, wenn man junge Milchverkäuferinnen addiert, sondern eine Berechnung, die eine solche einmal angestellt haben soll.

Reizüberflutung wäre eigentlich wünschenswert: Wenn's zu viel wird, setzt man die Reize einfach unter Wasser und spült sie weg. Gemeint ist aber eine Überflutung der Menschen durch zu viel Reize.

Durch solche und ähnliche Präzedenzfälle ließe sich Lichtverschmutzung rechtfertigen. Ich gebe Ihnen aber Recht: Logisch und einsichtig ist die Formulierung nicht. Wichtiger als irgendwelche "Regeln" ist das Vorbild älterer Ausdrücke wie Luft-, Umwelt-, Wasserverschmutzung.

Aber wie könnte man sonst sagen? "Zu viel Licht" ist zu sperrig für ein Satzgefüge und als Begriff ungeeignet. "Überbelichtung" klingt nach Fotografie. Vielleicht "Überbeleuchtung"? Das Wort gefällt mir, aber ich habe in der Branche keinen Einfluss.

Sprache ist halt mal chaotisch und nicht logisch und regelmäßig.

 

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Datum: 2018

Aktuell: 26.06.2018